Bei rund 50 Titeln liegt Börsenwert unter den Barmitteln
Volle Firmenkasse bietet gute Chancen

Es klingt kurios: Rund 50 Unternehmen, die in der Boomphase des Neuen Marktes den Gang an die Börse antraten und anschließend mit den eingenommen Millionen sorgsam umgingen, verfügen inzwischen über einen Cash-Bestand je Aktie, der über ihrem aktuellen Börsenkurs liegt. In der Theorie heißt das: Würden solche Cash-Werte aufgelöst, bekäme der Aktionär mehr ausbezahlt als er im Moment für die Aktie bezahlt.

FRANKFURT/M. Nun hat es zwar in den letzten Jahren schon Fälle gegeben, in denen Unternehmen liquidiert und die Barmittel anschließend verteilt wurden. Beispiele waren Trius oder Mediantis. In der Regel ist ein solches Vorgehen jedoch unwahrscheinlich. Auch sagt ein hoher Cash-Bestand nur wenig über die Qualität einer Aktie aus.

"Anleger sollten deshalb lieber nach Werten suchen, deren Cash-Bestand hoch ist und deren Prognosen für 2003 ein weiteres Anwachsen versprechen", sagt Markus Moser von GBC Research. Gerade jetzt sei die richtige Zeit dafür: Die meisten Unternehmen haben ihre Zahlen für 2002 vorgelegt und sich dabei auch über das laufende Jahr geäußert. Als besonders drastisch unterbewertet stellt sich dabei die Aktie von Poet Holdings dar. Der US-Software- Hersteller mit deutschen Wurzeln schreibt zwar weiterhin Verluste, hat jedoch mit seinen Zahlen für 2002 und speziell für das vierte Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen. Im laufenden Jahr sollen nun - erstmals seit dem Börsengang im November 1999 - schwarze Zahlen geschrieben werden. Diese sind auf Grund der schwachen Konjunktur und des anfälligen Geschäfts bei Software-Applikationen für den elektronischen Handel allerdings mit einem gewissen Vorbehalt zu genießen. Die Aktie ist daher nur für spekulative Anleger geeignet.

Ebenfalls zur Glaubenssache wird der Kauf von QSC-Aktien. Der Anbieter von Breitband-Anschlüssen hat seinen Kurs seit dem Jahreswechsel zwar beinahe verdoppelt. Trotzdem: Auch 2002 schrieb QSC mehr Verluste als Umsatz. Nun sollen im letzten Quartal dieses Jahres erstmals-wie beim Börsengang im Jahr 2000 angekündigt - auf Ebitda-Basis (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) schwarze Zahlen geschrieben werden. Im kommenden Jahr ist ein Gewinn auch auf Cash-Flow-Basis geplant. Zwar hat QSC in der Vergangenheit stets seine Prognosen eingehalten. Nun aber gilt es Farbe zu bekennen: Sollte der Turn-Around nicht in dieser Zeit gelingen, steht die Wahl zwischen Übernahme durch einen großen Telekom-Konzern und der Insolvenz. Ähnlich stellt sich die Situation bei Tele Atlas dar. Sollte dem niederländischen Anbieter geographischer Datenbanken allerdings das Geld ausgehen, springen nach Ansicht von Marcus Moser vermutlich potente Großaktionäre wie Bosch oder I.A.M. ein.

Andere Cash-Werte haben den Turn-Around im vergangenen Jahr bereits geschafft. Beispiele sind Beta Systems, Onvista und Realtech, die erstmals seit 1999 wieder einen positiven Jahresüberschuss schafften. Das Berliner IT-Softwarehaus Beta Systems, das seinen Schwerpunkt im Bereich Telekommunikation hat, lag mit seinem operativen Ergebnis sogar wesentlich besser, als dies von Analysten erwartet wurde. Als positiv werten die Experten von SES Research, dass das Sorgenkind des Unternehmens, der Bereich Storage Management, erfolgreich saniert wurde. Im abgelaufenen Geschäftsjahr fuhr dieser Zweig noch ein operatives Minus von 5,2 Mill. Euro ein. Im Jahr 2003 sollen nun alle drei Geschäftsbereiche profitabel arbeiten.

Bei Onvista sind bereits beide Geschäftszweige profitabel, nachdem das Kölner IT- und Medienunternehmen im Vorjahr noch jeweils rote Zahlen schrieb. Für das laufende Jahr gibt Onvista wegen des schwierigen konjunkturellen Umfelds bewusst keine Prognose ab. Mit Investitionen will Vorstandschef Fritz Oidtmann jedoch sehr vorsichtig umgehen, solange sich die wirtschaftliche Situation nicht ändert.

Besonders verlockend ist es für den Anleger, dass mancher Cash-Wert sogar mit einer Dividende lockt. Antwerpes plant als erste deutsche Online- Agentur 0,10 Euro je Aktie für das abgelaufene Jahr. Atoss Software will sogar 1,50 Euro je Aktie ausschütten, was aktuell einer Dividendenrendite von etwa 15 % entspräche.

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