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Bei Sanierungsverhandlungen um Karstadt-Quelle noch keine Einigung

Die Verhandlungen um das Sanierungspaket des Karstadt-Quelle-Konzern treten weiter auf der Stelle.

dpa-afx ESSEN. Die Verhandlungen um das Sanierungspaket des Karstadt-Quelle-Konzern treten weiter auf der Stelle. Wo Gewerkschaft und Arbeitnehmervertreter auf Beschäftigungs- und Standortsicherung pochen, drängt die Führung des angeschlagenen Konzerns weiterhin auf einen Einsparungsbetrag von gut einer halben Milliarde Euro.

Die Arbeitnehmerseite habe einen Lösungsvorschlag auf den Tisch gelegt, der in den nächsten drei Jahren Personalkosteneinsparungen von 480 Mill. Euro bringe aber ohne betriebsbedingte Kündigungen auskomme, sagte ver.di-Vorstandsmitglied Franziska Wiethold am Mittwoch. Dieser sei von der Arbeitgeberseite "leider auseinander genommen worden".

Karstadt: Arbeitnehmer-Angebot IST Unzureichend

Karstadt-Quelle bezeichnete das unterbreitete Angebot für den Warenhausbereich als unzureichend. Für den Versandhandel mit den Marken Quelle und Neckermann läge von Arbeitnehmerseite noch kein Angebot vor. Der Einsparungsbetrag von über 500 Mill. Euro sei nicht verhandelbar, sagte Konzernsprecher Jörg Howe.

Die Gewerkschaft ver.di warf dem Management des angeschlagenen Handelsriesen unterdessen vor, jeden Vorschlag aus "ideologischen Gründen" zu blockieren. ver.di habe den Eindruck, dass viele Sparvorschläge nicht akzeptiert würden, damit "aus Prinzip" tiefe Tarifschnitte vorgenommen werden könnten." Ich habe den Eindruck, dass ein Grundsatzstreit auf unseren Knochen geführt wird, wie man auch gegen Arbeitnehmervertreter einen Sanierungsbeitrag durchsetzen kann", sagte Wiethold.

Verhandlungen Gehen Weiter

Aufgrund der auseinander liegenden Positionen beider Seiten wird sich das Ringen um eine Einigung weiter hinziehen. "Ich gehe davon aus, dass die Verhandlungen sowohl für Karstadt als auch den Versandbereich bis weit in die Nacht zum Donnerstag hineingehen werden", sagte Howe. Es gebe aber keine Alternative zu dem von Konzernseite vorgelegten Sanierungsplan.

Karstadt-Quelle muss aus Sicht des Vorstands bis Donnerstag eine Einigung mit den Arbeitnehmern erzielen, weil der Aufsichtsrat an diesem Tag die Weichen für die geplante Kapitalerhöhung stellen will. Laut Howe werden laufende Kreditlinien der Banken im Volumen von 1,75 Mrd. Euro auch nur dann verlängert, wenn die Arbeitnehmerseite einem Sanierungspaket zustimmt. Auch Vorstandschef Christoph Achenbach hatte erneut betont, dass bei einer Nicht-Einigung die Zukunft des Traditionskonzerns auf dem Spiel stehe.

Die von ver.di initiierten Protestaktionen vor Karstadt-Kaufhäusern in einigen deutschen Städten bezeichnete Howe als unnötig. "Mit Mahnwachen vor Kaufhäusern sichern wir nicht einen Arbeitsplatz."

Verkauf VON Unternehmensteilen

Unterdessen kommt das Karstadt-Quelle-Management nach eigener Aussage bei der geplanten Trennung großer Konzernteile zügig voran. Achenbach sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" es gebe ein großes Interesse an allen zum Verkauf stehenden Unternehmensteilen. Einer der ersten, unmittelbar vor dem Abschluss stehenden Schritte werde der Verkauf der Logistikaktivitäten sein, sagte Achenbach. Für die 77 zur Disposition stehenden Karstadt-Warenhäuser liegen nach Aussage von Warenhausvorstand Helmut Merkel bereits "mehr als 100 Anfragen von Investoren" vor. "Mit drei potenziellen Investoren verhandeln wir konkret", sagte Merkel dem Magazin "Capital". Der Vorstand erwarte, den Verkauf Mitte 2005 über die Bühne zu bringen.

Die geplanten Verkäufe sind - neben der Kapitalerhöhung und Verhandlungen über Bankenkredite - ein wichtiger finanzieller Baustein des Sanierungskonzeptes: Achenbach verspricht sich allein davon einen Zufluss von 1,1 Mrd. Euro.

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