Bei Scheitern in Camp David wollen Palästinenser Staat ausrufen
Nahost-Friedensverhandlungen in entscheidender Phase

Eine Entscheidung über Erfolg oder Scheitern des Gipfels wird innerhalb der nächsten 48 Stunden erwartet. Die Palästinenser äußerten sich skeptisch über die Aussichten auf eine rasche Einigung.

ap/rtr GAZA.Die Nahost-Friedensverhandlungen in Camp David sind nach der Rückkehr von US-Präsident Clinton in ihre kritische Schlussphase getreten. Eine Entscheidung über Erfolg oder Scheitern des Gipfels wurde innerhalb der nächsten 48 Stunden erwartet. Clinton schaltete sich unmittelbar nach seiner Ankunft in Camp David wieder in die Gespräche ein, nachdem er vorzeitig den G-8-Gipfel in Japan verlassen hatte. Bis in die frühen Morgenstunden verhandelte er am Montag mit Israelis und Palästinensern. Der Ausgang des Gipfels ist völlig offen; Haupthindernis auf dem Weg zu einer Einigung bleibt der Streit um den künftigen Status von Jerusalem.

Bei einem Scheitern des Nahost-Gipfels von Camp David wollen die Palästinenser in weniger als zwei Monaten einen eigenen Staat ausrufen. Dieser Staat Palästina werde dann auch Gebiete umfassen, die noch unter israelischer Verwaltung stünden, sagte der Vorsitzende des Palästinensischen Nationalrats, Salim Sanun, am Montag in Gaza. Die Vorbereitungen für die Staatsproklamation nach dem 13. September seien bereits im Gange, sagte Sanun weiter. Am 13. September läuft die Frist für den Abschluss eines endgültigen Friedensvertrages aus. Israel hat für den Fall der einseitigen Ausrufung eines palästinensischen Staates mit der Annexion weiterer Gebiete gedroht.



Palästinenser pessimistisch

Ein Vertrauter von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat äußerte sich indes pessimistisch über die Aussichten auf eine rasche Einigung. Es zeichneten sich keine Fortschritte ab, sagte er und widersprach israelischen Medienberichten, über alle Punkte mit Ausnahme Jerusalems sei schon nahezu Einigung erreicht worden. Ein israelischer Sprecher sagte, erst am Ende der intensiven Gesprächsrunde rund um die Uhr werde man wissen, wo man stehe.

Nach seiner Rückkehr vom G-8-Gipfel in Okinawa traf Clinton am Sonntag Arafat und und den israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak zu getrennten Gesprächen. Clinton werte die Gespräche als konstruktiv.

In verhandlungsnahen Kreisen hieß es, noch immer werde an einem endgültigen Friedensabkommen gearbeitet. Wenn sich aber abzeichne, dass dieses nicht zu erreichen sei, könne man auch erklären, es habe zwar Fortschritte gegeben, aber man müsse sich später erneut treffen. Denkbar sei etwa ein Termin im August. Bis dahin müssten beide Seiten zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet werden.



Streit über Kontrolle der Heiligen Stätten

Diplomaten erklärten, der Kern des Streits liege darin, wer künftig die Kontrolle über die Heiligen Stätten in Jerusalem ausüben solle. In der Altstadt befinden sich christliche, jüdische und islamische Heiligtümer. Vor allem aus diesem Streit resultiere der Pessimismus der palästinensischen Seite. Eine ägyptische Zeitung berichtete, enttäuscht habe Arafat an Staatspräsident Hosni Mubarak in Kairo telegrafiert und um Unterstützung für die palästinensischen Positionen gebeten.

Die Palästinenser beanspruchen die volle Souveränität über den arabischen Ostteil, den sie zur Hauptstadt ihres künftigen Staates machen wollen. Israel lehnt dies ab und beharrt auf einem ungeteilten Jerusalem als seiner - nach biblischem Glauben "ewigen" - Hauptstadt. Papst Johannes Paul II. erneuerte unterdessen seinen Appell, wonach Jerusalem einen international garantierten Sonderstatus erhalten sollte, um den heiligen Charakter der Stadt zu sichern.

Unterdessen gerät Barak in Israel immer mehr unter Druck. Oppositionsführer Ariel Scharon vom konservativen Likud-Block forderte am Montag Neuwahlen. Er warf dem sozialdemokratischen Regierungschef vor, den Palästinensern in Camp David zu weit entgegengekommen zu sein und damit Israel in eine "unerträgliche Situation" gebracht zu haben. Es müsse einen Frieden mit einem vereinten Jerusalem geben, sagte Scharon.



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