Bei schlechten wird gern erklärt, warum das Schicksal so grausam war.
Wertpapieraufseher bemängeln obskure Praktiken am Neuen Markt

"Eine Menge Meldungen genügen nicht den gesetzlichen Standards der Ad-hoc-Publizität", kritisierte der BAWe-Vizechef.

ADX BERLIN: Das Frankfurter Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) schlägt angesichts der Zunahme obskurer Praktiken am Neuen Markt Alarm und fordert eine kräftige Aufstockung seines Personals. «Heute haben wir zirka 140 Beschäftigte - ein Zuschlag von zehn Prozent wäre aber dringend erforderlich, damit wir unsere Aufgaben auch weiterhin zuverlässig erledigen können», sagte der Vizepräsident des BAWe, Georg Dreyling, der «Berliner Zeitung» (Dienstagausgabe). Tagtäglich würden seiner Behörde heute 2,4 Millionen Wertpapiergeschäfte gemeldet, 1996 seien es nur 400 000 gewesen. Mit diesem Anstieg habe das Personal des Amtes «in keinster Weise» Schritt gehalten.

Heftige Kritik äußerte Dreyling an den Selbstauskünften vieler Unternehmen der New Economy durch die vorgeschriebenen so genannten Ad-hoc-Meldungen. Unter diesen Mitteilungen gebe es «eine Menge, die den gesetzlichen Standards der Ad-hoc-Publizität nicht genügen», kritisierte der BAWe-Vizechef. Auffällig sei auch, «dass positive Nachrichten häufig fiel kürzer ausfallen, während bei schlechten Nachrichten gern die Erklärung mitgeliefert wird, warum das Schicksal so grausam war».

Weiter sagte Dreyling, manche Firmen neigten dazu, schlechte Nachrichten über sich nur sehr zögernd in Umlauf zu bringen, «während sie positive Nachrichten sehr viel lieber vermelden». Die Möglichkeiten des BAWe, gegen Missbrauchsfälle vorzugehen, seien sehr beschränkt. Deshalb müssten mit der geplanten Neufassung des Finanzmarktförderungsgesetzes die «Schrauben angezogen» werden. Er erwarte von der Bundesregierung, dass die Novelle spätestens «im Laufe des nächsten Jahres» verabschiedet werde. Derzeit sei es dem BAWe nicht möglich, «Bußgelder gegen Werbeaussagen in Ad-hoc-Meldungen zu verhängen», sagte Dreyling. «Wir brauchen als Marktaufsicht ein besseres Regulatorium, das uns in die Lage versetzt zu sagen: Wer nur Mist meldet, dem rücken wir zu Leibe», sagte der BAWe-Vizepräsident.

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