Bei Schuldspruch droht Markovic die Todesstrafe
Reformer: Markovic-Festnahme ist wichtig für Milosevic-Verfahren

rtr BELGRAD. Serbische Reformer haben die Festnahme des Ex-Chefs der serbischen Geheimpolizei, Rade Markovic, als wichtigen Schritt zu einem Verfahren gegen Jugoslawiens Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic gewertet. Die Festnahme Markovics sei nicht der letzte Schritt hin zur Wiederherstellung des Rechtsstaats, sagte der serbische Abgeordnete Cedomir Jovanovic. Sie sei Teil eines Prozesses, an dessen Ende Milosevic stehe. Markovic war am Vortag im Zusammenhang mit einer Mord-Untersuchung festgenommen worden. Er verfügt nach Aussage politischer Beobachter und westlicher Diplomaten über Wissen, das bei einem Verfahren gegen Milosevic von großer Bedeutung sein könnte.

Milosevic wisse, welche Rolle er selbst bei den Vorgängen gespielt habe, die zu Markovics Festnahme geführt hätten, sagte der DOS-Politiker Jovanovic. "Sollte er in der Zwischenzeit irgendetwas vergessen haben, werden ihn die Polizei und Justiz daran erinnern." Markovic war 1998 zum Chef der Geheimpolizei unter Milosevic ernannt worden. Menschenrechtsgruppen und Reformer haben Markovic und seiner Behörde vorgeworfen, für das Verschwinden von Regierungsgegnern verantwortlich zu sein. Markovic hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Er musste nach der Machtübernahme der Reformkräfte im Januar seinen Posten räumen.

Der Anwalt Nikola Barovic sagte, die Festnahme könne auch das Schicksal des vermissten serbischen Ex-Präsidenten Ivan Stambolic aufklären helfen. Barovic vertritt den von sechs Monaten verschwunden Stambolic. "Es ist unmöglich, dass er (Markovic) davon nichts weiß", sagte Barovic. Stambolic war 1987 entmachtet worden und hatte vor seinem Verschwinden am 25. August 2000 davon gesprochen, bei der Präsidentenwahl gegen Milosevic anzutreten.

Der serbische Reformpolitiker Vuk Draskovic machte Milosevic indirekt für das Verschwinden von Stambolic verantwortlich. "Wer leitete die Geheimpolizei? Markovic. Wer war Markovic? Der Mann, der bedingungslos die Befehle des ehemaligen Präsidenten von Jugoslawien (Milosevic) ausführte. Alles ist klar. Hört mit den Spielchen auf", sagte er Reuters-Fernsehen.

Dem serbischen Justizminister Vladan Batic zufolge steht Markovic zusammen mit zwei weiteren Festgenommenen unter Mordverdacht. Bei einem Verfahren und einem Schuldspruch droht ihnen die Todesstrafe. Bei dem Fall geht es um einen Autounfall im Oktober 1999, bei dem ein Lastwagen in den Wagen von Draskovic gerast war. Vier der Insassen des Wagens waren getötet worden, darunter Draskovics Schwager. Draskovic hat die Geheimpolizei wiederholt für den Unfall verantwortlich gemacht. Milosevic wird von dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wegen Menschenrechtsverletzungen wegen des Bosnienkriegs gesucht. Jugoslawien hat seine Auslieferung abgelehnt.

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