Bei Skoda droht Produktionsstillstand
Gewerkschafter beharren auf Arbeitszeitverkürzung

Unmittelbar vor dem Spitzengespräch zwischen IG Metall und Arbeitgebern über Möglichkeiten zur Beilegung des seit über drei Wochen andauernden Streiks in der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie haben Gewerkschaftsvertreter ihre Forderung nach einer 35-Stunden-Woche bekräftigt.

Reuters BERLIN. Der Chef des IG-Metall-Bezirks Küste, Frank Teichmüller, sagte der Nachrichtenagentur Reuters zu den Aussichten für einen Kompromiss: "Mit Tabupositionen der anderen Seite wäre das ein Problem." Er bezog sich auf Arbeitgeber, die deutlich gemacht hatten, einen von der Gewerkschaft verlangten Zeitplan zur Einführung der 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland abzulehnen.

Dort gilt derzeit die 38-Stunden-Woche für die 310 000 Beschäftigten. Sprecher von IG Metall und dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall wollten am Donnerstagmittag weder zu Ort noch Dauer des Gesprächs zwischen IG Metall-Chef Klaus Zwickel und Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser machen. Sie bestätigten nur, dass ein Treffen für Donnerstag geplant sei, in dem es um eine Beilegung des Tarifkonflikts gehe.

Bei Skoda droht Produktionsstillstand

Unterdessen lief beim Getriebehersteller ZF in Brandenburg nach Angaben der Geschäftsführung die Produktion wieder an. Die IG Metall hatte angekündigt, als Zeichen ihrer Kompromissbereitschaft den Streik bei dem wichtigen Zulieferer auszusetzen. Wegen ausbleibener Teile von ZF hatte BMW seit Montag die Produktion der 3er-Serie in mehreren Werken stoppen müssen. Auch andere Autohersteller in Westdeutschland waren von ausbleibenden Zulieferungen aus dem Osten betroffen.

Der Streik könnte auch ausländische Autobauer treffen. Die Volkswagen-Tochter Skoda teilte mit, möglicherweise werde die Produktion an zwei der drei Standorte in Tschechien wegen des Arbeitskampfes in Ostdeutschland gestoppt. Der Vorrat an Fahrzeugteilen reiche noch, um die Fertigung bis Mitte kommender Woche aufrecht zu erhalten, sagte ein Skoda-Sprecher.

Düvel sagte im ZDF, bei der Einführung der 35-Stunden-Woche könnte möglicherweise differenziert vorgegangen werden, indem etwa die Ertragsstärke eines Betriebes berücksichtigt werde. Sein Kollege Teichmüller sagte: "Es hat keinen Zweck, für Verhandlungen zusammenzukommen, wenn eine Seite unerfüllbare Forderungen stellt." Zuletzt hatte Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Hans Werner Busch gesagt, die Zahl "35" dürfe weder als Wochenarbeitszeit noch als Ziel in einer Vereinbarung auftauchen.

Falls sich Zwickel und Kannegiesser am Donnerstag einig werden, würden sie damit den Weg für die für Freitag angesetzte Fortsetzung der Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmervertreter ebnen. Die IG Metall drängt auf eine Einigung noch an diesem Wochenende und will andernfalls auch westliche Betriebe durch Protestaktionen in den Tarifkonflikt einbeziehen.

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