Bei US-Dienstleistungsunternehmen drohen Entlassungen
Industrie in den USA läuft auf Touren

Eine gute Nachricht und eine weniger gute, wenn auch nicht schlechte Neuigkeit reichen derzeit aus, um die Aktienkurse zu Fall zu bringen: Die Aufträge der US-Industrie sind im Mai erneut gestiegen, die Abhängigkeit von der Rüstungsindustrie sinkt. Gleichzeitig hat aber die Wachstumsdynamik im US-Service-Sektor nachgelassen.

pbs/HB DÜSSELDORF. Die US-Industrie setzt ihren Erholungskurs fort. Im Mai hat der Sektor 0,7 % mehr Aufträge bekommen als im April - etwas mehr als von Ökonomen im Vorfeld erwartet worden war. Damit sind die Orders den fünften Monat in Folge gestiegen. Im April lag der Anstieg revidiert ebenfalls bei 0,7 %, berichtet das US-Handelsministerium. Für langlebige Gebrauchsgüter waren im Mai 0,9 % mehr Aufträge eingegangen.

Die Abhängigkeit von der Rüstungsindustrie geht weiter zurück - dieser Zweig bekam weniger Aufträge. Ohne Rüstungsaufträge betrug das Orderplus 0,8 %, nach 2,4 % im April. Imposant stiegen die Bestellungen für Flugzeuge und Ersatzteile - um 49,5 %.

Zugleich deutet der Report darauf hin, dass die Unternehmensinvestitionen wieder anziehen. Die Aufträge für Computer und Elektroprodukte stiegen um 0,6 %.

Die US-Industrie hat die Trendwende offenbar geschafft und auch der Dienstleistungssektor befindet sich weiter auf Wachstumskurs. Allerdings hat sich die Dynamik dort abgeschwächt und das stärker, als von Volkswirten im Vorfeld erwartet. Der ISM-Dienstleistungsindex, der auf einer Umfrage unter US-Einkäufern beruht, ist im Mai auf 57,2 von 60,1 Punkten im April gesunken. Der April-Stand war der höchste seit August 2000. Ian Morris, Volkswirt bei der HSBC Bank in New York lässt sich davon nicht irritieren. Auch im Juni "zeigt der Trend nach oben", sagt Morris. Der Index ist so konstruiert, dass Werte über der Marke von 50 Punkten Wachstum signalisieren.

Am deutlichsten verschlechterte sich die Beschäftigungskomponente des aus mehreren Teil-Indizes zusammengesetzten Barometers. Während damit im Dienstleistungssektor Entlassungen unvermeidlich sind, ist die Gefahr, seinen Job zu verlieren, im verarbeitenden Gewerbe etwas gesunken. Das hatte der ISM-Index für diesen Sektor gezeigt.

Euro-Zone: Dienstleistungen im Plus

In der Euro-Zone hat sich die Erholung des Dienstleistungssektors der Juni-Umfrage unter Einkaufsmanagern zufolge geringfügig beschleunigt. Das zeigt der Anstieg des Reuters-Service-Index auf 52,9 nach 52,1 Punkten im Mai. Der Dienstleistungssektor trägt zu 60 bis 70 % der Wirtschaftsleistung bei. Am stärksten wächst der Sektor in Frankreich, berichtet die Forschungsgruppe NTC, die das Barometer aus der Befragung von mehr als 2 000 Unternehmen für Reuters ermittelt. Schlusslicht ist erneut Deutschland. Zumindest kletterte der Index aber auch hier zu Lande über die Wachstums-Marke von 50 Punkten.

Die Dienstleister in der Euro-Zone konnten sich den fünften Monat in Folge über mehr Aufträge freuen. Allerdings füllten sich die Auftragsbücher im Juni langsamer als im Vormonat. In Deutschland gehen die Orders sogar weiterhin zurück. Als Gründe wurden die instabile Konjunkturerholung, fehlende Investitionsbereitschaft, die Aufschiebung von Auftragsvergaben und die anhaltende Schwäche in der deutschen Bauwirtschaft genannt.

Düster sieht die Lage in Deutschland auch bei der Beschäftigung aus. Während Dienstleister in der Euro-Zone immer noch, wenn auch in geringem Umfang, einstellen, verlieren hier zu Lande Arbeitnehmer ihren Job. Der entsprechende Teilindex fiel auf den tiefsten Stand seit Oktober 2001. Da ist kaum verwunderlich, dass die zukünftigen Geschäftsaussichten schlechter beurteilt werden. Die Zuversicht ist so gering wie zuletzt im Januar.

Quelle: Handelsblatt

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