Beide Kandidaten werden sich im Falle eines Wahlsiegs wieder stärker auf Europa zubewegen
Kopf an Kopf

George W. Bush und John F. Kerry liefern sich ein knappes Rennen. In Umfragen liegen Sie dicht beieinander. Egal wer gewinnt, beide werden Beobachtern zufolge wieder bessere Beziehungen zu Europa suchen.

Zwang zum Pragmatismus: Bush braucht die Europäer, um die USA im Irak zu entlasten

WASHINGTON. Würde ein wiedergewählter Präsident George W. Bush Kreide fressen und auf die Verbündeten stärker zugehen? Oder würde er die polarisierende Einteilung in "alte" und "neue" Europäer abermals aufs Tapet bringen? Das ist die große Frage, über die sich Polit-Experten in Washington die Köpfe heiß reden. Eines steht fest: Der Spielraum für einen republikanischen Präsidenten wäre eng. Der Irak hat sich entgegen der ursprünglichen Planungen als Chaos entpuppt, dessen Ende nicht abzusehen ist und das immer neue Kosten verursacht. Außerdem hätte Bush ein Rekord-Defizit am Hals, das seine Optionen stark einschränkt. Hinzu kommt ein historischer Trend: "Eine zweite Amtszeit nimmt in der Regel den Schwung aus einer Regierung", sagt Norman Ornstein vom American Enterprise Institute, einer konservativen Denkfabrik in Washington.

Ein bestätigter Bush dürfte zwar seine harsche Rhetorik im Anti- Terror-Krieg beibehalten. Doch angesichts der nicht abreißenden Unruhen im Irak rechnen Beobachter mit einer Annäherung an die Europäer - aus Zwang zum Pragmatismus. Die US-Administration würde erneut versuchen, die Verbündeten ins Boot zu holen: Dabei geht es in erster Linie um die erweiterte Ausbildung irakischer Polizisten, die Grenzsicherung des Iraks durch Nato-Truppen sowie einen kompletten Schuldenerlass für den Golf- Staat.

Im Weißen Haus wird betont, dass Deutschland hier eine Schlüsselrolle spielt: "Wenn sich die Bundesregierung im Irak mehr engagiert, hat dies Auswirkungen auf den Rest der EU", sagt ein hochrangiger Regierungsbeamter. Die enge Abstimmung zwischen Berlin und Paris ist dem Bush-Lager ein Dorn im Auge.

Der Irak hat die Kräfte Amerikas derart gebunden, dass weitere Militär-Szenarien zurzeit nicht auf der Agenda stehen. Dennoch geht Bush die Initiative der Europäer zur Verhinderung eines iranischen Atom-Programms nicht weit genug. Der Präsident will bei einer Wiederwahl mehr Dampf machen und den Uno-Sicherheitsrat zur Androhung von Sanktionen bewegen. Im US-Kabinett gibt es zwei Flügel: Die einen setzen auf eine Reformierung des Mullah-Regimes von innen. Die konservativen Hardliner erwägen hingegen die Zerstörung der iranischen Nuklear-Anlagen durch gezielte Militärschläge.

In der Handelspolitik sind von Bush keine Änderungen zu erwarten: Er wird sich grundsätzlich für den Freihandel stark machen, im Zweifelsfall jedoch auf innenpolitischen Druck Rücksicht nehmen. Der Schutz von US-Interessen hat für ihn Vorrang - siehe Stahlzölle und Milliarden-Subventionen für die Landwirtschaft. Das hat sich auch beim neuesten Streit um die staatlichen Beihilfen für Airbus und Boeing gezeigt. EU und Amerikaner wollen den Konflikt kurz nach der US-Wahl entschärfen.

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