Beide Konzerne dementieren das Gerücht
Gerüchte um feindliche Übernahme von Bayer

Der Schweizer Chemiekonzern Roche will unbestätigten Angaben zufolge die Leverkusener Konkurrentin Bayer AG kaufen. Bayer feile an einer Abwehrstrategie gegen das als feindliche Übernahme eingestufte Vorhaben, berichtete der Börsen-Informationsdienst "Platow Brief" am Freitag. Vertreter beider Konzerne bestätigten den Bericht nicht.

afp LEVERKUSEN/BASEL. Unterdessen kündigte Bayer ein milliardenschweres Investitionsprogramm im Inland an: Bis zum Ende des Jahres 2004 sollen demnach 8 Mrd.Euro (gut 15,6 Mrd. DM) in die inländischen Standorte fließen. Zudem legte sich der Konzern darauf fest, betriebsbedingte Kündigungen unter den 42 300 Mitarbeitern auszuschließen. Die Bayer-Aktie legte im elektronischen Xetra-Handel auf das neue Jahreshoch von 56 Euro (109,53 DM) zu und stand am Nachmittag bei 55,65 Euro noch 3,8 % im Plus.

Bayer-Sprecher Michael Schade sagte, sein Unternehmen habe die Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) und die Deutsche Bank mit der Entwicklung von Strategien beauftragt, um die Bayer-Geschäftsfelder auszuweiten und den Börsenwert zu erhöhen. "Ich kann verstehen, dass der Markt dies als Abwehrmaßnahme interpretiert", sagte Schade in Leverkusen. Die Gespräche mit den Banken seien bereits vor einem Monat aufgenommen worden und dürften sich noch bis zum Jahreswechsel hinziehen, sagte Schade. Gerüchte über ein Roche-Gebot für Bayer seien bereits seit Wochen im Umlauf. Roche-Sprecherin Jacqueline Wallach sagte in Basel: "Wir kommentieren diese Gerüchte nicht."

Nach Schätzungen soll Bayer rund 48 Mrd. Euro kosten

Nach Schätzung von Dresdner-Bank-Analyst Tony Cox müsste Roche für Bayer rund 48 Milliarden Euro (knapp 94 Mrd. DM) hinblättern. Da das deutsche Unternehmen um seine Unabhängigkeit besorgt sei, müssten die Schweizer ihre Offerte in Form eines feindlichen Angebotes gießen. Um einen angeblichen Kauf von Bayer gibt es bereits seit längerem Gerüchte. Bislang sind die deutschen Branchenriesen Bayer und BASF der weltweiten Welle von Fusionen und Aufkäufen entkommen; nur Hoechst fusionierte mit der französischen Rhône-Poulenc-Gruppe zum Aventis-Konzern.

Bayer-Vorstand Attila Molnar erklärte, die Standortvereinbarung berücksichtige die Interessen von Belegschaft und Unternehmen gleichermaßen. Für neue Anlagen und den Ausbau der Kapazitäten seien mehr als 2,3 Mrd. Euro vorgesehen, dazu kämen weitere knapp 5,7 Mrd. Euro für Instandhaltung und Forschung. Die Standorte Brunsbüttel bei Hamburg sowie die nordrhein-westfälischen Städte Leverkusen, Krefeld-Uerdingen, Dormagen und Wuppertal-Elberfeld würden "durch Erweiterungs- und Neuinvestitionen erheblich gestärkt". "Der neue Vertrag wird dazu beitragen, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte zu verbessern und damit Arbeitsplätze langfristig zu sichern", betonte Molnar. Der Bayer-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erhard Gipperich hob den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und Zusagen für die Auszubildenden hervor.

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