Beide Länder halten trotz der Spionage-Affäre an stabilen Wirtschaftsbeziehungen fest
China und die USA trennen Propaganda und Profit

HB PEKING. Die Spionagekrise zwischen China und den USA hat einen rhetorischen Schlagabtausch ausgelöst, der Anlass zur Sorge gibt. Auch in Asien wird überall gefragt, ob die Spannungen die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern belasten. Angeheizt wird die Propagandaschlacht zwischen Washington und Peking von Forderungen der Hardliner in beiden Hauptstädten nach einer härteren Gangart.

Doch zu viel steht auf dem Spiel. Auf beiden Seiten. Sowohl in China als auch in den USA werden Propaganda und Profite daher auf Dauer sauber voneinander getrennt werden. China braucht die USA. Sie sind wichtigster Auslandsmarkt für die Industrie im Reich der Mitte. Und sie sind eine der wichtigsten Quellen ausländischer Direktinvestitionen für China. Ohne dieses Kapital drohen China das Scheitern der Reformen und soziale Unruhen. Mehr noch: China will in die WTO, und Peking will die olympischen Sommerspiele 2008. Beides geht kaum ohne den Segen der Supermacht USA. China braucht zudem die Unterstützung des Big Business in den USA, um Hardliner im Kongress im Zaum zu halten, damit der Handelsstrom nicht abreißt. Er beschert China pro Jahr 83 Milliarden Dollar Überschuss.

Umgekehrt brauchen die USA China. Die multinationalen US-Konzerne bauen das Land seit den 90er-Jahren gezielt zu einem globalen Drehkreuz aus. Fertigung in China ersetzt in zunehmendem Maße Lieferungen von Waren aus den USA. Von 1990 bis 1998 haben sich die US-Exporte nach China verdreifacht. Doch die Verkäufe von Firmen mit US-Beteiligungen in China explodierten um das 21fache. Viel davon wird in die USA geliefert. Das erklärt, warum die USA ein stetig wachsendes Defizit in der Handelsbilanz mit China aufweisen. Nicht wegen verwerflicher Handelspraktiken Chinas, sondern wegen der Weltmarktstrategie der eigenen Unternehmen.

Eine viel sagende Terminüberschneidung in dieser Woche in Peking verdeutlicht die Prioritäten im bilateralen Verhältnis. Morgen werden sich Delegationen der USA und Chinas in gereizter Atmosphäre gegenseitig die Schuld an der Luft-Kollision am Himmel über Südchina zuweisen und über das weitere Prozedere im Spionagefall verhandeln. Finstere Blicke und dunkle Andeutungen sind programmiert. Doch am selben Tag treffen sich Topmanager von General Motors, Sun Microsystems und Eastman Kodak im führenden Konferenzhotel Pekings mit lokalen Kadern beim China Business Summit, um weitere Milliardengeschäfte einzufädeln. Das diplomatische Duell, sagen Veranstalter des Weltwirtschaftsforums, habe zu keiner einzigen Absage der über 180 ausländischen Manager geführt, von denen viele aus den USA kommen. Im Klartext: Während Hardliner der Volksbefreiungsarmee die politische Führung in Peking drängen, den USA die Stirn zu bieten, und während Abgeordnete in Washington fordern, China bei der Abstimmung über dauerhaft normale Handelsbeziehungen im Juni eine Lektion zu erteilen, werden die nächsten Deals vorbereitet.

Chinesen wie Amerikaner wissen trotz diplomatischer Fingerhakelei sehr wohl, nationalen Stolz und lukrative Geschäfte auseinander zu halten. Das wird das bilaterale Verhältnis nicht vor Rückschlägen bewahren. Aber die wachsende wirtschaftliche Verzahnung ist nicht aufzuhalten.

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