Beide Seiten betonen Gesprächsbereitschaft
Ost-Metaller legen BMW-Produktion teilweise lahm

Drei Wochen nach Beginn des Arbeitskampfes haben die ostdeutschen Metaller mit ihren Streiks am Montag Teile der BMW-Fertigung in Westdeutschland lahm gelegt. Davon sind indirekt auch Zulieferer des bayerischen Autoherstellers betroffen.

HB/dpa MÜNCHEN/CHEMNITZ. IG Metall und Arbeitgeber haben sich unterdessen zu neuen Gesprächen bereit erklärt. Die Gewerkschaft will die Gespräche mit den Arbeitgebern bis zum Donnerstag wieder aufnehmen. Die Streiks würden bis dahin aber wie beschlossen in begrenztem Umfang fortgesetzt, sagte IG-Metall-Sprecher Claus Eilrich nach einem Treffen von Betriebsräten der Automobilbranche in Frankfurt. Einen konkreten Termin eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zur Einführung der 35-Stunden-Woche gibt es bisher aber nicht.

Seit Montagmorgen stehen bei BMW die Bänder in München und Regensburg still. Wegen des Arbeitskampfs beim Getriebezulieferer ZF in Brandenburg sei die Produktion der 3er-Reihe gestoppt worden, bestätigte eine BMW-Sprecherin in München. Insgesamt mussten mehr als 10 000 Beschäftigte gar nicht erst zur Arbeit erscheinen, gut die Hälfte davon am BMW-Stammsitz München. Die IG Metall will in Ostdeutschland mit Arbeitskämpfen die 35-Stunden-Woche durchsetzen.

Der insolvente Automobilzulieferer Peguform hat wegen des Stillstandes bei BMW bereits Kurzarbeit beantragt. Das Unternehmen stellt für die 3er-Reihe von BMW Stoßfänger und Seitenschweller her. Auch der Zulieferer Honsel im Sauerland musste die Produktion von Fahrwerksteilen für den 3er stilllegen. Der Autositzhersteller Grammer versucht derzeit, durch Urlaub und Überstundenabbau die Kurzarbeit für 65 Mitarbeiter im oberpfälzischen Wackersdorf zu verhindern. Grammer beliefert BMW mit Kopfstützen.

Mit Beginn der Frühschicht am Montag hatten nach Angaben der IG Metall rund 9000 Metaller in Sachsen, Berlin und Brandenburg ihre Arbeit niedergelegt. In der ostdeutschen Metall- und Elektroindustrie sind insgesamt 310 000 Menschen beschäftigt. Dort gilt bislang anders als im Westen die 38-Stunden-Woche.

Politiker und Wirtschaftsexperten mahnten erneut ein rasches Ende des Arbeitskampfes an. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sieht in dem Streik eine Gefahr für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Ostdeutschland. Ähnlich äußerte sich der Gelsenkirchener Autoexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer: "Die IG Metall geht mit der Zukunft der neuen Länder sehr leichtfertig um."

Sowohl Bundeskanzler Gerhard Schröder als auch der für den Aufbau Ost zuständige Bundesminister Manfred Stolpe (beide SPD) forderten eine baldige Einigung im Tarifstreit. IG-Metall-Vize Jürgen Peters verteidigte den Arbeitskampf. "Wir haben den Streik gemacht, weil wir keine anderen Möglichkeiten mehr haben, weil die Arbeitgeber sich am Verhandlungstisch verweigern", sagte Peters im Deutschlandfunk.

Die von BMW beantragte Kurzarbeit wird die Bundesanstalt für Arbeit (BA) aller Wahrscheinlichkeit nach rund 1,7 Mill. ? kosten. BA-Fachleute seien bei ihren Berechnungen von etwa einer Woche Kurzarbeit bei rund 10 000 Beschäftigten ausgegangen, teilte ein Sprecher der Nürnberger Bundesbehörde am Montag mit.

Nach Darstellung des bayerischen IG-Metall-Bezirksleiters Werner Neugebauer ist allerdings vorerst BMW in der Pflicht. Der Tarifvertrag sehe zur Ankündigung von Kurzarbeit eine Frist von 30 Tagen vor. Diese Bestimmung gelte auch für BMW. Der Autobauer könne daher "nicht einfach die Bezahlung verweigern", betonte Neugebauer.

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