Beide Staaten beanspruchen Kaschmir
Indien will keinen Krieg mit Pakistan

Erst müssten alle anderen Optionen erwogen werden, sagte Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee am Mittwoch im Parlament. Pakistan hat betont, mit dem Anschlag der vergangenen Woche etwas zu tun zu haben.

REUTERS NEU-DELHI. Indiens Armee warf Pakistan vor, Truppen an der Grenze im Kaschmir zusammenzuziehen. Pakistan dementierte dies umgehend. Im indischen Bundesland Jammu und Kaschmir starben nach Armeeangaben bei Razzien und einem Anschlag zwölf Menschen, darunter Mitglieder einer Gruppe, die Indien hinter dem Überfall auf das Parlament vermutet.

"Wir versuchen, die Diplomatie als Waffe einzusetzen, doch andere Optionen stehen offen, und wir werden diese vor einer Entscheidung sorgfältig prüfen", sagte Vajpayee. Pakistan und Indien haben seit ihrer Unabhängigkeit 1947 von Großbritannien drei Kriege gegeneinander geführt, zwei davon um Kaschmir, auf das beide Staaten Anspruch erheben.

Indien macht von Pakistan aus operierende kaschmirische Separatisten für den Selbstmordanschlag auf das indische Parlament verantwortlich, bei dem mehr als ein Dutzend Menschen getötet wurden. Die Regierung in Islamabad wurde aufgefordert, zwei in Pakistan ansässige Separatisten-Organisationen zu verbieten. In Vajpayees Partei waren auch Forderungen erhoben worden, militärisch gegen die Extremisten in Pakistan vorzugehen. Die USA und China hatten beide Länder zur Zurückhaltung aufgerufen.

Pakistan wies indische Vorwürfe zurück, die Regierung in Islamabad habe Truppen an der Grenze zusammenziehen lassen. Armeesprecher Rashid Qureshi sagte, die Inder verfügten über Falschinformationen. Indiens Armeechef General S. Padmanabhan hatte zuvor erklärt, sein Land habe in "angemessener Weise" auf einen pakistanischen Truppenaufmarsch reagiert. In der Nacht lieferten sich Soldaten beider Länder indischen Polizeiangaben zufolge ein Feuergefecht an der Kaschmir-Grenze. Menschen seien dabei nicht zu Schaden gekommen.

Die 742 Kilometer lange Demarkationslinie teilt Kaschmir zwischen Pakistan und Indien. Indien kontrolliert 45 Prozent der Himalaja-Region, Pakistan rund ein Drittel. Pakistan hat erklärt, es unterstütze nur politisch nicht aber militärisch die Separatisten im indischen Teil Kaschmirs. Das übrige Gebiet steht unter chinesischer Verwaltung.

In Jammu und Kaschmir, dem einzigen moslemischen Bundesland Indiens, teilte die Armee am Mittwoch mit, bei der Fahndung nach Extremisten seien elf Männer getötet worden. Bei einer Sicherheitskontrolle starb nach Polizeiangaben ein Zivilist durch eine Granate, die Unbekannte geworfen hatten. 59 Menschen wurden den Angaben zufolge verletzt.

In einem unterirdischen Versteck der Organisation Lashkar-e-Taiba nahe der Grenze hätten die Soldaten Dokumente sicher gestellt. Lashkar und eine zweite Gruppe, Jaish-e-Mohammed, sind nach indischen Ermittlungen für den Anschlag auf das Bundesparlament und den Überfall auf das Landesparlament von Jammu und Kaschmir im Oktober verantwortlich. Die Dokumente seien belastend, teilte die Armee mit, nannte aber keine Einzelheiten.

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