Beide Staaten befinden sich offiziell noch immer im Kriegszustand
Nord- und Südkoreas Staatschefs treffen sich zu erster Gesprächsrunde

Das historische Treffen in Pjöngjang hat mit einer freundlichen Geste begonnen: Kim Jong Il begrüßte seinen Gast aus dem Süden persönlich am Flughafen. Der Gipfel dauert drei Tage.

dpa/rtr SEOUL/PJÖNGJANG. Zum Auftakt der historischen Gipfelkonferenz zwischen Süd- und Nordkorea sind am Dienstag in Pjöngjang die Staatschefs beider verfeindeter Nachbarstaaten zu einer ersten Gesprächsrunde zusammengekommen. Südkoreas Präsident Kim Dae Jung habe dabei über Aussöhnung und Zusammenarbeit gesprochen, sagte Vize-Vereinigungsminister Yang Young Shik vor der Presse in Seoul. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong II habe seine Motive für die Einladung an das südkoreanische Staatsoberhaupt dargelegt. Südkoreas Präsident Kim war am Morgen nach seiner Ankunft am Flughafen nahe Pjöngjang unerwartet von Kim Jong Il persönlich per Handschlag begrüßt worden.

Hunderttausende Nordkoreaner jubelten beiden Politikern auf der Fahrt vom Flughafen zum Gästehaus der nordkoreanischen Regierung zu, wo diese ein erstes, knapp halbstündiges Gespräch führten. Beide seien sich einig gewesen, die Versöhnung und die Zusammenarbeit beider Länder zu fördern, verlautete aus südkoreanischen Delegationskreisen. Das Land ist seit dem Ende des Korea-Krieges vor 47 Jahren geteilt.

Offiziell herrscht noch immer Kriegszustand

Bis Donnerstag soll es auf dem Gipfel um eine Normalisierung der Beziehungen beider Staaten gehen, die sich formell noch im Kriegszustand befinden und nur einen Waffenstillstand vereinbart haben. Kim Dae Jung hatte vor seiner Abreise gesagt, er hoffe, Fortschritte für jene mehr als sieben Mill. Koreaner zu erreichen, die Verwandte auf der jeweils anderen Seite der hochgerüsteten Grenze haben. Allerdings warnte er auch vor zu hohen Erwartungen. Das Bedeutende des Gipfels sei, das er überhaupt stattfinde, erklärte Kim Dae Jung vor seiner Abreise. In einer in Pjöngjang verlesenen Erklärung Kim Dae Jungs hieß es, mit dem Besuch im Norden habe sich für ihn ein lebenslanger Wunsch erfüllt.

Während des Besuchs der Südkoreaner im Norden sind mehrere Begegnungen auf Banketten und in Arbeitssitzungen geplant. Möglicherweise werde es zum Abschluss der Gespräche noch ein feierliches Essen mit den Gastgebern geben, hieß es in Seoul vor Beginn der Gespräche. Zur südkoreanischen Delegation gehören neben den Ministern für Finanzen, Einheit und Tourismus und 130 Beamten auch die Leiter großer Konzerne sowie 50 südkoreanische Journalisten. Ausländischen Journalisten war die Einreise nach Nordkorea versagt worden.

Die vorsichtige Annäherung wird in der Region begrüßt

China, der engste Verbündete Nordkoreas, erklärte, der koreanische Gipfel könne Frieden und Stabilität sichern. Ein Sprecher des japanischen Außenministeriums sagte in Tokio, die freundliche Begrüßung Kim Dae Jungs durch den Norden sei ein guter Anfang für das Treffen.

Nordkorea, das sich politisch und wirtschaftlich in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend selbst isolierte, leidet unter großen wirtschaftlichen Problemen. Überschwemmungen und Missernten haben zu einem dramatischen Nahrungsmittel-Mangel geführt. Zu Vermeidung einer Hungerkatastrophe ist das Land auf internationale Hilfe angewiesen. Beobachter erwarten, dass Kim Dae Jung mit dem Angebot von Investitionen und anderen wirtschaftlichen Anreizen versuchen wird, die vorsichtige Öffnung des Nachbarlandes zur Welt zu würdigen. Südkorea erwartet im Gegenzug ein Entgegenkommen unter anderem bei der Familienzusammenführung.



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