Beiersdorf AG arbeitet an Sicherheitskonzepten für Ausweise und Pharmaprodukte
Tesa-Film soll Fälscher stoppen

Den Allzweckhelfer will Beiersdorf in ein High-Tech-Gerät verwandeln. Auf dem Klebeband gespeicherte Hologramme können vor Produktpiraterie schützen und Ausweise fälschungssicher machen.

HAMBURG. Einfaches Klebeband könnte künftig Personalausweise vor Fälschern oder Medikamente und Kosmetika vor Nachahmern schützen. Die zur in Hamburg ansässigen Beiersdorf AG gehörende Tesa AG hat dazu ein Verfahren entwickelt, mit dem digitale Hologramme auf Tesa-Film gespeichert werden. Das "Holospot" genannte Projekt tritt derzeit von der Entwicklungs- in die Pilotphase ein. Erste Testprojekte mit Produzenten von Sicherheitskarten, der Pharmabranche und Herstellern von Laborausrüstung sind gestartet.

In den kommenden zwei Jahren soll Holospot auf den Markt gebracht werden. Dazu hat die Tesa AG mit den drei Erfindern Steffen Noehte, Christoph Dietrich und Matthias Gerspach ein Unternehmen in Mannheim gegründet - es wird voraussichtlich Tesa Holospot GmbH heißen. Tesa hält daran einen Anteil von 75 Prozent.

Die Holospot-Technik basiert auf der Erkenntnis, dass ein Laserstrahl die Struktur des Tesa-Films beeinflusst. Er erzeugt eine kreisrunde Veränderung der Polymerstruktur, die sich scharf vom umgebenden Film abgrenzt und sich mit Hilfe eines Lasers lesen lässt. Mittlerweile ist es Tesa gelungen, die Kennzeichnung des Lasers im Tesa-Film und nicht mehr auf der Oberfläche zu erzeugen. Damit wird der Holospot gegen äußere Beschädigung geschützt.

Für das Hologramm wird die Vorlage, zum Beispiel ein Passbild, per Computer digitalisiert. Dabei lässt sich die Software kodieren, so dass das Bild fälschungssicher wird. Die Computerdaten werden an das Laser-Schreibgerät übermittelt, das im Tesa-Film aus der Fülle der einzelnen Brennpunkte ein so genanntes computergeneriertes Beugungsgitter hinterlässt.

Die gegenüber dem ursprünglichen Film veränderte Reflexion dieses Gitters produziert auf dem Lesegerät das Hologramm. Auf einem Quadratmillimeter Fläche können so mehrere Kilobyte Information gespeichert werden. Neben dem Passbild reicht die Kapazität auch für weitere biometrische Daten. Die Technik ist fälschungssicher. Beim Versuch, den Code zu knacken, wird das Beugungsgitter zerstört, das Hologramm ist damit unbrauchbar.

Rund 3,5 Mill. Euro hat Tesa bislang in die Entwicklung des Films als Speichermedium investiert und gut 30 Patente angemeldet. Nun steigt das Unternehmen in die Geräteentwicklung ein. 4 bis 6 Mill. Euro sind vorgesehen, um Laserschreib- und Lesegeräte marktreif zu machen, erläutert Dieter Steinmeyer, Vorstandsvorsitzender von Tesa. Dabei gehe es vor allem um höhere Schreibgeschwindigkeiten sowie den Einsatz billigerer Laser.

Pro Holospot kalkuliert Steinmeyer einen Preis von 50 Cent. Die Hologramme könnten zusätzlich zu anderen Sicherheitsmerkmalen in neue Pässe oder Personalausweise eingearbeitet werden. Bei jährlich 80 Millionen neuen Ausweispapieren in Deutschland entspräche dies einem Umsatz von 40 Mill. Euro. Wird der Holospot auch bei EC-, Kreditkarten oder Hausausweisen verwendet, winken weitere Umsätze.

Weitere mögliche Abnehmer sind laut Steinmeyer Firmen der Pharma- und Kosmetikindustrie. Für sie erarbeitet Tesa eine Originalkennzeichnung von Verpackungen mit Hilfe von Holospots - um Plagiate zu verhindern. Das Marktvolumen beträgt laut Steinmeyers Analyse etwa 1,2 Mrd. Euro. Zusätzlich verspricht das Geschäft mit Laborausrüstung jährlich über 125 Mill. Euro Umsatz, schätzt der Tesa-Chef.

Parallel arbeitet Tesa unter dem Namen Tesa Rom daran, auf dem Klebeband Daten zu speichern. Mittlerweile sind auf einer Tesa-Rolle fünf Lagen Film beschreib- und lesbar. Die Speicherdichte von 2,5 Gigabyte reicht für einen Spielfilm. Bei der Vermarktung ist Tesa jedoch auf Kooperation mit Systemherstellern wie Sony oder IBM angewiesen - das Unternehmen hofft dann auf Lizenzeinnahmen.

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