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„Beige Book“ sorgt für Rally an der Wall Street

Nach einem uneinheitlichen Start drehten die US-Börsen am frühen Nachmittag ins Plus und legten bis Börsenschluss erneut eine Rally hin. Der Dow Jones schloss zur Wochenmitte mit einem Plus von 141 Punkten oder 1,4 % auf 10574 Punkten. Die technologie-orientierte Nasdaq verbesserte sich um 24 Zähler oder 1,3 % auf 1890 Zähler.

Nach einem uneinheitlichen Start drehten die US-Börsen am frühen Nachmittag ins Plus und legten bis Börsenschluss erneut eine Rally hin. Der Dow Jones schloss zur Wochenmitte mit einem Plus von 141 Punkten oder 1,4 % auf 10574 Punkten. Die technologie-orientierte Nasdaq verbesserte sich um 24 Zähler oder 1,3 % auf 1890 Zähler.

Zuletzt hatten sich Analysten unterschiedlich optimistisch über die globalen und amerikanischen Märkte geäußert. Allgemein optimistische Töne trübte beispielsweise Merrill Lynch: Die Analysten rieten US-Investoren, vermehrt im Ausland zu investieren. Vor allem Japan und die Emerging Markets seien interessant, während man den US-Aktienmarkt und Großbritannien auf "neutral" abstufte.

Doch dann legte die Fed am Mittag das "Beige Book" vor, in dem die aktuellen Einschätzungen der Chefs der regionalen Notenbanken notiert sind. Die spiegeln sich wieder in den Worten "Erholung", "Licht am Ende des Tunnels" oder "positivere Stimmung". Alle US-Regionen rechnen ab dem zweiten Halbjahr mit steigenden Produktionszahlen. Obwohl das durchweg optimistische "Beige Book" als Vorlage für die Notenbanksitzung am 19. März dient, sei vorerst nicht mit einer Zinsanhebung zu rechnen.

Gewinne gab es im Mittwochshandel marktbreit. Kräftig zulegen konnte der Finanzsektor, unter anderem nachdem die Analysten der Deutsche Bank Alex Brown die Aktien von JP Morgan auf "aggressiv kaufen" aufgestuft hatten. Abgesehen von der ausgesprochen niedrigen Bewertung, habe das Risikoprofil den Höchstpunkt überschritten. Andere Risikofaktoren wie der Kollaps von Enron oder die Kreditvergabe an wacklige Telekom-Unternehmen würden durch die Konjunkturerholung entkräftet. JP Morgan ist mit einem Plus von 4,7 % stärkster Wert im Dow. Die Aktien von Citigroup und American Express legen mehr als 2 % zu.

Im roten Bereich schloss nur einer der 30 Dow-Werte: Die Aktie von Hewlett Packard gab 2 % ab. Die Anlegervertretung ISS, die 23 % der institutionellen Investoren bei HP vertritt, hat ihren Klienten empfohlen, für einen Merger mit dem Computerhersteller Compaq zu stimmen. Offensichtlich sind Anleger darüber nicht ausnahmslos glücklich. Analysten sind geteilter Meinung: Dan Niles, Tech-Analyst bei Lehman Brothers, sowie die Experten von Merrill Lynch sprechen sich für eine Fusion aus. Die UBS Warburg ist weiterhin gegen den Deal, ebenso die Bank of America, die Anlegern empfiehlt, sich von beiden Aktien zunächst fernzuhalten. Papiere von Compaq gewinnen 3,8 %.

Auch Intel hatte im Tagesverlauf lange auf den Dow gedrückt. Zuletzt setzte sich bei den Anlegern jedoch moderater Optimismus durch, der die Aktie schließlich auf ein Plus von 0,3 % drückte. Einen Tag vor der Quartalszwischenbilanz des Chipriesen ist man allein bei der UBS Warburg skeptisch. Die Analysten von Bear Stearns, Lehman Brothers und der Bank of Amerika gehen davon aus, dass Intel die Umsatzprognosen auf das obere Ende der ursprünglichen Erwartungen einengen werde. Morgan Stanley rechnet sogar damit, dass Intel "besser als erwartet" melden wird und stufte die Aktie schon am Dienstag auf "aggressiv kaufen" auf.

Andere Chipwerte hatten es am Mittwoch schwer, konkret: die Speicherchips. Eine Ertragswarnung von McData hatte gezeigt, wie unberechenbar Investitionen in Speichertechnologie zur Zeit sind. Die Analysten von JP Morgan reagierten und senkten die Ertrags- und Umsatzprognosen für das Unternehmen und die Konkurrenten EMC und Inrange Technologies. Aktien von McData verloren 28 %, Inrange Technologies und EMC gaben jeweils 5,5 % ab.

Was die Nasdaq dennoch ins Plus drückte war eine unerwartete Stärke im Mobilfunk-Bereich. Nachdem Sprint PCS die Prognosen für 2002 bestätigt hatte, verbesserte sich das Papier um 20 %. Das Unternehmen rechnet damit, dass sich im vierten Quartal bis zu 750.000 Kunden für den Anbieter entscheiden werden, mehr als Analysten erwartet hatten. Die Konkurrenz profitiert von allgemein positiver Stimmung im Sektor: Papiere von Nextel legten um 16 % zu, das Branchenbarometer kletterte um 5 %.

Der größte Gewinner im Handel an der Nasdaq kam allerdings aus dem Biotech-Sektor. Aktien von ImClone legten erneut 20 % zu, nachdem sich das Unternehmen mit dem Pharmariesen Bristol-Myers Squibb auf die Bedingungen einer Zusammenarbeit in bezug auf das Krebsmittel Erbitux geeinigt hatte. Bristol wird ImClone, wie ursprünglich vereinbart, 500 Millionen Dollar Entwicklungsgelder zahlen, das Biotech-Unternehmen erhält außerdem 39 % der Erlöse aus dem Medikament, das im Falle einer Marktzulassung durch die Prüfbehörde FDA zu einem Blockbuster werden könnte.

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