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Beige Book: US-Konjunktur bleibt schwach

Die Konjunkturentwicklung in den USA ist der US-Notenbank Fed zufolge im Zeitraum Oktober bis Mitte November weiterhin schwach geblieben.

rtr WASHINGTON. In den meisten Regionen seien mehr Anzeichen für eine weitere Abschwächung als für eine Erholung festzustellen, heißt es in dem am Mittwoch in Washington veröffentlichten Konjunkturbericht "Beige Book" der Fed. Der Arbeitsmarkt schwäche sich ebenfalls weiter ab, wobei die Löhne stetig geblieben seien oder sogar abgenommen hätten. Dagegen seien die Preise im Oktober/November generell stabil geblieben. Bereits am Vorabend hatte Fed-Gouverneur Laurence Meyer vor weiteren Abwärtsrisiken für die US-Wirtschaft gewarnt. Auch nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) befindet sich die US-Wirtschaft in einem starken Abschwung.

Die Konsumausgaben der amerikanischen Verbraucher haben sich dem Bericht der Fed zufolge unterschiedlich entwickelt, wobei der Automobilabsatz ein außerordentliches Niveau erreicht habe. Allerdings seien die Autohändler besorgt, dass der Absatz in den kommenden Monaten abnehmen könnte, weil die Kaufanreize der Hersteller dann ausliefen. Andere Güter würden dagegen nur vereinzelt gekauft. Uneinheitlich seien auch die Perspektiven für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft der US-Einzelhandesfirmen.

Zum Verhalten der amerikanischen Verbraucher hatte schon am Dienstag das rennomierte Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board von einem unerwartet schwachen Vertrauen der US-Konsumenten im November in die Wirtschaftsentwicklung ihres Landes berichtet, nachdem dieses bereits im Vormonat von 97 auf 85,5 Punkte eingebrochen war. Der Index der Verbrauchervertrauens fiel im November auf 82,2 von 85,3 Punkten (revidiert von 85,5) Punkten im Vormonat. Fed-Gouverneur Meyer hatte am Dienstagabend vor weiteren Abwärtsrisiken für die US-Wirtschaft gewarnt und zugleich die Möglichkeit weiterer Zinssenkungen der Fed signalisiert. Möglicherweise seien sogar negative reale Tagesgeldszinsen erforderlich, um eine rasche Erholung der Wirtschaft zu unterstützen.

Der OECD zufolge wird sich die amerikanische Wirtschaft nach dem derzeit starken Abschwung im kommenden Jahr aber wieder deutlich erholen. Die OECD prognostizierte ein reales Wachstum der US-Wirtschaft von 0,75 % in diesem Jahr und 2,75 % für 2002. "Die Wirtschaft scheint jetzt in einer Rezession zu sein, auch wenn diese von nur kurzer Dauer sein sollte", hieß es in dem Bericht der OECD.

Das Beige Book wird turnusmäßig von jeweils einer der zwölf Federal-Reserve-Banken der USA erstellt, diesmal von der Fed in Richmond auf Basis von Daten bis zum 19. November. Er dient der Notenbank beim nächsten Treffen des für die Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschusses (FOMC) am 11. Dezember als eine der Grundlagen für ihre Zinsentscheidung. Eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte wird an den Finanzmärkten nicht ausgeschlossen. In diesem Jahr hat die Fed die Leitzinsen bereits um 450 Basispunkte auf 2,00 % im Schlüsselzins gesenkt.

Die Finanzmärkte reagierten nicht spürbar auf den Bericht. Der Euro notierte stetig bei Kursen um 0,8870 Dollar.

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