Beim America’s Cup vor Auckland geht es um Sport, Geld und Vaterlandsverräter
Im Meer der Millionäre

Als "alte Kanne" wird sie liebevoll bezeichnet. Jene Sporttrophäe, von Queen Victoria höchstpersönlich gestiftet, um die einige der reichsten Männer der Erde mit Millionenaufwand kämpfen.

AUCKLAND. Am Dienstag geht in Neuseeland die Seeschlacht der Milliardäre in die zweite Phase. Beim America?s Cup beginnt in Auckland die zweite Runde der Qualifikations-Regatten "Jeder gegen jeden". Stritten sich früher Unternehmer wie der Amerikaner Harold Vanderbilt, Englands "Teekönig" Sir Thomas Lipton oder Frankreichs Kugelschreibermilliardär Baron Marcel Bich um den Cup, heißen die Helden der Neuzeit Larry Ellison (Oracle), Patrizio Bertelli (Prada) und Paul Allen (Co-Gründer von Microsoft).

Im Hauraki-Golf vor Neuseelands größter Stadt messen sich Männer, für die Verlieren in der Regel ein Fremdwort ist, und die es gewohnt sind, dass man alles kaufen kann, wenn man nur genügend Geld hat. Kein Wunder, dass nach den Terroranschlägen in den USA und jüngst in Bali die Sicherheitsvorkehrungen gewaltig verstärkt wurden. Über 100 Polizisten sind zu einer speziellen Sondereinheit zusammengestellt worden. Nach der Hälfte der ersten Runde der Herausforderer-Regatta, der offiziell Louis Vuitton Cup heißt, liest sich die Spitzengruppe wie das "Who is Who" der Businesswelt.

Noch ungeschlagen ist das Syndicat "One World" aus Seattle, hinter dem unter anderem Allen steckt, es folgt "Alinghi" aus der Schweiz, dessen Budget von Pharmamilliardär Ernesto Bertarelli aus Genf abgedeckt wird. Bertarelli hatte die wichtigsten Männer der siegreichen Neuseeländer eingekauft und diese damit im eigenen Land zu "Ausgestoßenen" gemacht.

Sein Skipper Russell Coutts war beim letzten Mal noch von ganz Neuseeland umjubelt worden und kann sich jetzt kaum noch auf den Straßen Aucklands blicken lassen. In Auckland hat sich sogar eine Widerstandsgruppe namens Black Hearts gegründet, die heftig gegen die "Vaterlandsverräter" protestiert. Aber andere Teams haben sich ebenfalls im Ausland bedient, vor allem in Neuseeland und Australien. Bei "Alinghi" ist auch ein Deutscher an Bord, der dreimalige Olympiasieger Jochen Schümann. "Oracle BMW" folgt auf Rang drei.

Diese drei Teams setzen jeweils zwischen 70 und 90 Millionen Euro für ihre Kampagne ein. Nur der Qualifikationssieger wird ab dem 11. Januar Titelverteidiger Neuseeland herausfordern, dessen wie immer traditionell schwarzes Boot diesmal vom erst 29 Jahren jungen Dean Barker geskippert wird. Möglicherweise wird aber "Mr. America?s Cup" den reichen Syndikaten ein Schnippchen schlagen: Der mittlerweile 60-jährige Dennis Conner ist bereits seit 1974 dabei und belegt mit "Stars and Stripes" bislang Rang vier. Viermal hat er den America?s Cup gewonnen, aber als einziger Amerikaner in der 151-jährigen Geschichte auch verloren - und das gleich zweimal, gegen Australien 1983 und Neuseeland 1995.

Conners gewaltige Erfahrung soll das vergleichsweise schmale Budget von etwa 40 Millionen Euro wettmachen. Profitieren vom Cup wollen vor allem aber die Neuseeländer. Die zweite Titelverteidigung ist für die Wirtschaft des "schönsten Landes am anderen Ende der Welt" Gold wert, man erwartet sich über 300 Millionen Euro Einnahmen, mehr als 10 000 Jobs sollen direkt von der Veranstaltung abhängen. Wie beliebt der Segelsport in der "City of Sails" ist, wie sich Auckland selbst nennt und wo ein bootloser Mensch als armer Wicht gilt, hatte sich beim letzten America?s Cup vor drei Jahren gezeigt.

Damals kamen angeblich 4,2 Millionen Besucher. Deswegen ist die erfolgreiche Titelverteidigung auch von immenser wirtschaftlicher Bedeutung, denn der America?s Cup wird stets im Land des Titelverteidigers ausgetragen, was nach der ersten Auflage in England 1851 bis 1983 immer in den USA der Fall war. In Auckland ist ein ganzer Stadtteil für die Regatta gebaut worden, Viaduct Harbour entstand speziell für das Rennen.

Neben der Reihe der gewaltigen Bootsschuppen, wo unter größter Geheimhaltung nächtelang an den Superyachten gebastelt wird, gibt es auch Appartments, die zu zu den schicksten und teuersten in Neuseelands zählen. Diese Wohnungen sind aber für Leute wie Larry Ellison natürlich immer noch viel zu bescheiden, deswegen hat der Tycoon seine schneeweiße Yacht Katana mitgebracht. Sie ist trotz ihrer Länge von 75 Metern etwas beengt. Der fünftreichste Mann der Welt lässt gerade eine neue, 117 Meter lange Yacht bauen. In dieser, so heißt es, soll es einen eigenen Raum zur Präsentation der "alten Kanne" haben.

Quelle: Handelsblatt

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