Beim Privatbesuch sollen auch politische Themen besprochen werden
Ehepaar Schröder zu Besuch in Moskau

Reuters MOSKAU. Zur Feier des russisch- orthodoxen Weihnachtsfestes hat der russische Präsident Wladimir Putin am Sonntag Bundeskanzler Gerhard Schröder zu einer Schlittenfahrt eingeladen. Der Präsident und der Kanzler waren zuvor am zweiten Tag des Privatbesuchs des Ehepaars Schröder im Auto gemeinsam in die alte Zaren-Sommerresidenz in Kolomenskoje im Süden Moskaus gefahren. Dort wurden beide Politiker, die am späten Samstagabend zusammen mit ihren Frauen in Moskau eine Weihnachtsmesse besucht hatten, von Schauspielern in Zaren-Kostümen begrüßt. Die politischen Gespräche drehten sich nach Angaben beider Seiten um Russlands Beziehungen zur Europäischen Union (EU), den Stand der Ost-West-Beziehungen und um die russischen Auslandsschulden.

Aussetzen der Schuldzahlungen soll besprochen werden

Beobachter erwarteten, dass bei dem Besuch die deutsche Kritik an der Ankündigung Russlands zur Sprache kam, seine Auslandsschulden bei staatlichen Gläubigern im ersten Quartal dieses Jahres nicht zu bedienen. Die Ankündigung war vom Bundesfinanzministerium in Berlin als unakzeptabel bezeichnet worden. Die Schulden Russlands bei den Gläubigerstaaten des Pariser Clubs betragen rund 48 Mrd. US-Dollar.

Putin und Schröder besuchten in Kolomenskoje das Haus von Zar Peter dem Großen und fuhren in einem von drei Pferden gezogenen Schlitten. Für Sonntag stand auch ein Abstecher zum historischen Kloster Sergijew Possad auf dem Programm, das 80 Kilometer nordwestlich der russischen Hauptstadt liegt. Der Rückflug der Schröders war für Sonntagabend geplant.

Das Ehepaar Putin hatte die Schröders nach ihrer Ankunft am Samstag durch den Kreml, den Amtssitz des russischen Präsidenten, geführt. Später stand ein Besuch des berühmten Bolschoi-Theaters an, in dem das Ballett "Giselle" aufgeführt wurde.

Gemeinsamer Besuch der Weihnachtsmesse

Am Abend besuchten die beiden Ehepaare die Weihnachtsmesse, die das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche hielt. Patriarch Alexej II. las die Messe und wünschte dem Bundeskanzler und seiner Frau in der frisch restaurierten Erlöser-Kathedrale auf Deutsch ein gutes neues Jahr. Putin sagte in einer Weihnachtsansprache, die Feier von 2000 Jahren Christenheit habe Menschen rund um die christlichen Werte vereinigt. Auch im neuen Jahrhundert werde der Glaube den Menschen geistige Kraft geben und ihnen dabei helfen, in Würde gute Dinge zu tun. Putin, der früher als Mitarbeiter des sowjetischen Geheimdienstes KGB in der DDR gearbeitet hatte, spricht fließend deutsch. Er wurde im Fernsehen bei der Messe gezeigt, wie er sich bekreuzigte. Putin sagt, er sei in der atheistisch geprägten Sowjetunion heimlich getauft worden.

In ganz Russland wurden Tausende von Gottesdiensten abgehalten, um nach dem Julianischen Kalender der russisch-orthodoxen Kirche das Weihnachtsfest am 7. Januar zu feiern. Seit dem Ende der Sowjetunion und des Kommunismus 1991 erinnern sich immer mehr Russen der religiösen Tradition des Landes.

Vor der Weihnachtsmesse in Moskau hatten sich Hunderte Schaulustige eingefunden, um Schröder und Putin bei einem Spaziergang über den Roten Platz zu sehen. Schröder äußerte sich zurückhaltend über den Inhalt seiner Gespräche mit Putin. Im ZDF sagte er, sie hätten über Weihnachten gesprochen und gemeinsam Kulturschätze bewundert. Putin widersprach am Samstag Berichten aus US-Regierungskreisen, sein Land habe Atomwaffen in das Gebiet der russischen Exklave Kaliningrad verlegt. Putin sagte auf Deutsch wörtlich: "Absoluter Quatsch". Auch das russische Außenministerium dementierte Berichte, nach denen Russland in den vergangenen sechs Monaten einige atomare Waffen nach Kaliningrad verlegt habe.

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