Beim Pulsschlag von 165 beginnt körperliche Schwerstarbeit
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Biathlon vereint Extreme: Nur wer die Nerven behält, lernt die Faszination dieses Sports richtig kennen.

Sanft scheint die Sonne im nordfinnischen Ferienort Munio vom blau-weißen Himmel. An dem Gute-Laune-Wetter, das die ersten Winterurlauber genießen, kratzen auch die leichten Minustemperaturen nicht. Eine erholsam-gelassene Ruhe strahlt der ganze Ort aus. Ricco Groß ist trotzdem fast auf 180, als er sich dem Schießstand der Biathlon-Anlage in Munio auf Langlaufskiern nähert. Deutschlands Top-Biathlet weiß, dass jetzt eine extrem schwierige Aufgabe auf ihn wartet: Vom Langlauf außer Atem muss er sein Gewehr vom Rücken holen und binnen 15 Sekunden den Zeigefinger am Abzug haben, um sich voll auf seinen ersten Schuss zu konzentrieren.

Beim Pulsschlag von 165 beginnt körperliche Schwerstarbeit, die ungeübte Zeitgenossen das Bewusstsein kosten würde. Denn bevor Groß schießt, stößt er rund zwei Drittel seiner Atemluft aus - das Kohlendioxid wird aus den Lungen gepumpt. Nun heißt es für ihn die Luft anhalten, bevor er seinen ersten Schuss abgibt. Erst dann kann der Sportler wieder tief durchatmen. Viermal wiederholt sich die Tortur, bevor er sein Gewehr erneut schultert und auf Skiern mit Volldampf die nächste Runde in Angriff nimmt.

"Die nervliche Anspannung beim Schießen ist riesig", sagt Groß. Der Sportsoldat und Hauptfeldwebel der Berchtesgadener Sportkompanie der Bundeswehr bereitet sich in Munio mit dem deutschen Biathlon-Team auf den Anfang Dezember beginnenden Weltcup vor. Wenn die Saison mit der Weltmeisterschaft im thüringischen Oberhof im kommenden Februar ihren Höhepunkt erreicht hat, kann Groß auf eine beachtliche Bilanz zurückblicken: Über 10 000 Ski-Kilometer hat er dann zurückgelegt und über 15 000 Schüsse abgegeben.

Mit zwölf Jahren nahm der gebürtige Schwarzenberger zum ersten Mal ein Luftgewehr in die Hand. Skilanglauf hatte er in seiner sächsischen Heimat schon vorher gelernt. "Das Schießen machte mir großen Spaß", erzählt er. In der Kombination mit Langlauf hatte Groß dann seinen Sport gefunden. "Mich reizte das Spiel zwischen zwei so unterschiedlichen Disziplinen", erklärt der Athlet. Den Feinschliff in Sachen Biathlon erhielt der 33-Jährige in der Kinder- und Sportschule der DDR in Altenberg/Zinnwald. Nach der Wende zog es ihn nach Ruhpolding, einem Mekka der deutschen Biathleten.

Bevor es Groß zu einem ganz Großen in seiner Sportart brachte, standen viele Entbehrungen und Qualen. "Auf Grund dieses Wissens würde ich meine beide Söhne nie zum Leistungssport antreiben. Das muss, wie bei mir, aus eigenem Antrieb kommen", sagt er bestimmt.

Sein Ehrgeiz hat sich ausgezahlt: Groß darf sich über Weltmeistertitel und Olympiasiege freuen. Der Sportler überlässt trotz vieler Erfolge nichts dem Zufall: Seit Kurzem hat er einen Mental-Trainer engagiert, der ihm, so Groß, ganz neue Biathlon-Welten aufzeige.



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