Beisetzung hat bereits stattgefunden
Beate Uhse ist tot

Beate Uhse, Deutschlands legendäre Erotik- Pionierin, ist tot. Die Unternehmerin erlag im Alter von 81 Jahren einer Lungenentzündung, teilte die Beate Uhse AG am Mittwoch in Flensburg mit.

dpa FLENSBURG. Sie sei bereits am Montag in einer Schweizer Klinik gestorben und danach im engsten Familienkreis beigesetzt worden. Eine öffentliche Trauerfeier ist für den 3. August in Flensburg geplant. Beate Uhse, die auch als Pilotin bekannt war, machte in der Nachkriegszeit den Handel mit Erotik-Produkten salonfähig und gilt neben "Aufklärer" Oswalt Kolle als wichtige Figur der "sexuellen Revolution". Fast alle Deutschen kennen den Namen der Frau mit der Rundschnittfrisur; Millionen Kunden beziehen die diskreten Beate-Uhse-Pakete mit Sex-Spielzeug, Pornos oder Dessous.

Beate Uhse sei es durch ihr "offenes und seriöses Auftreten" gelungen, wie es das Unternehmen selbst formulierte, die Erotik- Branche aus der Schmuddelecke zu holen. "Sie hat mitgeholfen, ein Tabu zu brechen", sagte Oswalt Kolle am Mittwoch in Amsterdam. Uhse selbst sagte 1999 über ihr Lebenswerk: "Worüber ich mich am meisten freue - dass es uns in den letzten 50 Jahren gelungen ist, eine hohe nicht nur berufliche, sondern auch gesellschaftliche Akzeptanz zu erreichen."

Wegen ihrer Produkte stand die Flensburger Unternehmerin über Jahrzehnte mit der Justiz auf Kriegsfuß. Sie handelte sich in den 50er und 60er Jahren mehr als 2000 Anzeigen ein, die von sittenstrengen Staatsanwälten verfolgt wurden. Zitat aus einer polizeilichen Vorladung: "Broschüren mit schweinischem Inhalt". Rechtlich galt Uhses Ware damals als "Beihilfe zur Unzucht", wenn sie in andere Hände als in die von Ehepaaren gelangte.

Beate Uhse schaffte es von der "fliegenden Händlerin" mit einer Broschüre über Schwangerschaftsverhütung in der Nachkriegszeit bis an die Spitze des Sex-Konzerns mit mehr als 300 Mill. DM (gut 153 Mill. ?) Jahresumsatz. Im Mai 1999 ging das größte Erotikunternehmen Europas an die Börse. Der Aktien-Kurs sank nach der Todesnachricht bis Mittwochnachmittag um rund sechs Prozent. Ob die Leitung der Uhse AG am "Geburtsort" Flensburg bleibt, gilt nach dem Tod der Aufsichtsratschefin als fraglich - die Mehrheitsanteile befinden sich nicht mehr im Besitz der Gründerfamilie.

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Noch vor kurzem saß die zierliche, willensstarke Geschäftsfrau an ihrem Schreibtisch in der Zentrale ihres Unternehmens ("Mein Kind"), wenn sie auch in den letzten Jahren mehr Freizeit in ihrem Ferienhaus unter der Sonne Floridas verbrachte. Dorthin flüchtete die neunfache Großmutter und Uroma vor allem gerne an ihren Geburtstagen. Viele Flensburger kannten "die Uhse", die im benachbarten Glücksburg wohnte, vom regelmäßigen Einkaufen auf dem Wochenmarkt.

Beate Uhses Werdegang ist so außergewöhnlich wie ihr Unternehmen. Seit dem 17. Lebensjahr gehörte das Fliegen fast untrennbar zu ihrem Leben. Damals erwarb Beate Köstlin - als Tochter einer Ärztin und eines ostpreußischen Gutsbesitzers 1919 geboren - den Pilotenschein. Als 24-Jährige, im Hauptmannsrang der Luftwaffe, überführte sie Jagdflugzeuge an die Front. Im April 1945 flüchtete sie, verheiratet mit dem kurz darauf gefallenen Fliegeroffizier Hans-Jürgen Uhse, mit einem Flugzeug aus Berlin in den Norden Schleswig-Holsteins. Mit dabei war ihr kleiner Sohn Klaus, der 1984 im Alter von 41 Jahren an Krebs starb.

Nach kurzer englischer Gefangenschaft 1945 arbeitete Beate Uhse in der nordfriesischen Landwirtschaft, gab Englischunterricht, verkaufte Spielsachen und beriet nebenbei junge Bauersfrauen über Schwangerschaftsverhütung. Aus ihrer einfachen Anleitungsbroschüre ("Schrift X") über die damals kaum bekannte Knaus-Ogino- Verhütungsmethode wurde 1949 der erste achtseitige Katalog für "Ehehygiene"-Bedarf. 1948 heiratete Uhse den Flensburger Kaufmann Ernst-Walter Rotermund, 1972 wurde die Ehe geschieden.

Bis ins hohe Alter hinein strahlte Beate Rotermund-Uhse, trotz der Folgen ihrer Magenkrebsoperation in den 80er Jahren, stets Vitalität und Energie aus. Noch mit 73 steuerte sie ihr eigenes Flugzeug, war jahrzehntelang begeisterte Tennisspielerin. Sie lernte mit weit über 70 noch Tauchen und Golfspielen.

1992 zog sie sich aus dem operativen Geschäft zurück und wechselte in den Aufsichtsrat. Noch 1999 dachte sie nicht ans Aufhören. "Ich will Dinge tun, die mir Freude machen. Und Freude machen mir mein Geschäft, der Sport und mein Garten", sagte sie in einem "Bunte"-Interview. Am liebsten spreche sie über ihr Unternehmen. "Dafür schalte ich sogar mein Hörgerät an."

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