Beiträge für Regionalverbände sollen gekürzt werden
Unruhe bei den Kreditgenossen

DZ-Bank-Chef Ulrich Brixner räumt mit der schwierigen Hinterlassenschaft auf. Dabei greift er auch zu unpopulären Massnahmen: Er schränkt die Kreditvergabe der Ortsbanken ein und kürzt den Verbänden die Beiträge.

FRANKFURT/M. Im kreditgenossenschaftlichen Verbund grummelt es kräftig: DZ-Bank-Chef Ulrich Brixner will die Verbandsbeiträge an die Regionalverbände in diesem Jahr erheblich einschränken. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Verbundkreisen. Zudem fühlen sich die Volks- und Raiffeisenbanken durch die restriktive Kreditpolitik des Spitzeninstituts allein gelassen.

"Wir müssen das Kreditrisiko an der Wurzel bekämpfen", hat der DZ-Bank-Chef jüngst vor Volksbankern in Wiesbaden gesagt. Zu diesem Zweck hat das genossenschaftliche Spitzeninstitut einheitliche Bonitätskriterien für die Kredite für alle Volks- und Raiffeisenbanken erlassen: "Wenn diese erfüllt sind, steht die DZ Bank als Partner im Metakreditgeschäft uneingeschränkt zur Verfügung", heißt es hierzu aus der DZ Bank.

Die Volks- und Raiffeisenbanken dagegen empfinden die Vorgaben als zu restriktiv. "Viele Ortsbanken beklagen, dass sich die DZ Bank zurückzieht und fühlen sich vom Spitzeninstitut im Stich gelassen", so ein Genossenschaftsbanker. Da die Institute aber dennoch Geschäft machen wollen, suchen sie sich andere Refinanzierungspartner. "Die Ortsbanken gucken sich verstärkt nach anderen Möglichkeiten um," bestätigt ein Banker. So seien zum Beispiel schon einige der norddeutsdchen Volks- und Raiffeisenbanken mir ihren Engagements in den Sparkassensektor abgewandert - zur Bremer Landesbank oder der NordLB, heißt es. Das steht ihnen frei, denn eine Vorgabe sich bei der DZ Bank zu refinanzieren gibt es nicht. Brixner kritisierte aber bereits in der Vergangenheit mehrfach die mangelnde Verbundtreue mancher Institute.

Brixner, der seit September vergangenen Jahres and er Spitze der aus DG Bank und GZ-Bank entstandenen DZ Bank steht, reagiert mit starken Zurückhaltung im Kreditgeschäft auf die alles andere als befriedigende Risikolage. Allein in den beiden vergangenen Jahren mußte die DZ Bank beziehungsweise ihre beiden Vorgängerinstitute insgesamt rund 2 Mrd. ? faule Kredit wertberichtigen. Für das laufende Jahr ist eine Risikovorsorge von 300 Mill. ? geplant, "aber es kann auch das Niveau von 2001 erreicht werden", so Brixner kürzlich in der Bilanzpressekonferenz. Hier waren es rund 700 Mill. ?.

Auch bei den Betriebskosten setzt Brixner den Rotstift an. Das haben schon die Mitarbeiter des genossenschaftlichen Spitzeninstituts und auch der Betriebsrat gespürt: Mehr als tausend Leute müssen gehen, drei der vier ehemaligen DG Bank Vorstände haben die Bank mittlerweile verlassen.

Neben den Problemen im Kreditgeschäft sorgt auch die angekündigte Angleichung der Verbandsbeiträge für Unruhe im Verbund. "Die Beiträge an die Regionalverbände sollen homogenisiert werden. Ziel ist es, alle Verbände offen, transparent und gleich zu behandeln. Es ist aber noch keine endgültige Entscheidung gefallen. Die Verhandlungen mit den Regionalverbänden laufen noch", heißt es aus der DZ Bank.

Über die genaue Höhe der Umlagezahlungen wollten sich die Verbände nicht äußern. Aus Genossenschaftsbankenkreisen heißt es aber, die ehemalige DG Bank hätte jährlich rund 500 000 DM gezahlt, die SGZ-Bank lediglich rund 150 000 DM. Diese Größenordnung hält Brixner offensichtlich für vertretbar.

Das stellt nun vor allem die Verbände aus dem ehemaligen Geschäftsgebiet der DG Bank - Bayern, Norddeutschland und neue Bundesländer - vor erhebliche Finanzprobleme. "Die DZ Bank will ihre Beiträge auch für den bayerischen Verband gegenüber den Beiträgen der früheren DG Bank erheblich kürzen", bestätigte ein Sprecher des Landesverbandes Bayern. Die Anpassungen sollten im Rahmen der Gleichbehandlung der einzelnen Landesverbände im Geschäftsbereich der DZ Bank erfolgen. Der Genossenschaftsverband Bayern habe zwar Verständnis für die Kürzungen beziehungsweise Anpassungen, strebe jedoch eine Stufenlösung in mehreren Schritten an, um die jährlichen Etatauswirkungen bessern abfedern zu können, so der Sprecher. Ein Finanzproblem der Verbände sieht man bei der DZ Bank nicht: "Die vorgeschlagenen Reduktion erlaubt immer noch sehr auskömmliche Einnahmen".

Der Frankfurter Verband dürfte mit der neuen Sparsamkeit der Zentralbank keine Probleme haben, ebenso wie der Badische und der Württembergische Genossenschaftsverband. Denn diese unterstanden schon immer der GZ-Bank, beziehungsweise deren Vorgängerinstituten SGZ- und GZB-Bank.

Bei den Verbandsbeiträgen handelt es sich um Zahlungen aller Genossenschaften im Tätigkeitsfeld der Verbände, also nicht nur der Kreditgenossen. Die Höhe der Beiträge jedes einzelnen Institutes orientiert sich bei Banken an der Bilanzsumme und bei anderen Unternehmen an Umsatzzahlen.

Neben den Problemen der Finanzierung suchen die Reginalverbände nach neuen Wegen. Größere Einheiten werden gefordert. Allerdings ist das nicht immer einfach: Bei der geplanten Fusion der Verbände Rheinland (GVR) und Westfalen (WGV) knirscht es mächtig. So hat GVR-Verbandschef Claus Peter Mossler wegen Unstimmigkeiten über Details der Fusion vor kurzem seinen Rücktritt zum 31. Mai erklärte.

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