Beitrag der Bundeswehr vor allem symbolisch
Berlin hat Bush wenig zu bieten

Mit Solidaritätsbekundungen wird dieser Tage in Berlin nicht gegeizt. Nach Beginn der amerikanischen Militärschläge gegen Afghanistan erklärte Bundeskanzler Gerhard Schröder, deutsche Soldaten seien zwar noch nicht beteiligt. "Deutschland wird aber ebenso wie Frankreich im weiteren Verlauf seinen Beitrag leisten." Vorsichtshalber fügte er hinzu: "Sobald das von uns erbeten wird und - naturgemäß - soweit uns das von unseren Fähigkeiten her objektiv möglich ist."

ran HB BERLIN. Die Einschränkungen sind bedeutsam, denn viel ist derzeit eben nicht möglich für die Bundeswehr. Noch immer gilt, was ihr Generalinspekteur Harald Kujat vor dem Nato-Einsatz in Mazedonien gesagt hat: Die deutschen Streitkräfte sind "weder materiell noch personell" zu einem erweiterten Engagement in der Lage. So sind die Möglichkeiten, den Amerikanern zu helfen, begrenzt: Denkbar wäre logistische Unterstützung, Hilfe bei Nachrichtengewinnung und Aufklärung oder die Bereitstellung von Transportflugzeugen.

Das weiß auch US-Präsident George Bush, der immerhin in seiner Rede zu den Luftschlägen Deutschland als eines von fünf Ländern genannt, das Truppen zugesagt habe. Doch die Anfragen aus den USA fielen bescheiden aus: Im Rahmen der Nato-Beistandshilfe werden rund 30 deutsche Soldaten in fünf Awacs-Flugzeugen den Luftraum über der amerikanische Küste überwachen. Außerdem werden deutsche Schiffe im Nato-Verband ins östlichen Mittelmeer verlegt.

Von wirklicher militärischer Unterstützung ist das weit entfernt. Was immer Deutschland noch beitragen wird, es wird vor allem um das Symbol gehen. Die Bundesregierung will mit der noch im Golfkrieg geübten Tradition brechen, statt Soldaten lieber Geld bereit zu stellen. Schröder hat dies mit den Worten umschrieben, einen "Ablasshandel" werde es diesmal nicht geben. Die mehrfach wiederholte Bereitschaft, jede mögliche militärische Unterstützung zu gewähren, soll signalisieren, dass Berlin sich mittlerweile als normaler Partner im Bündnis sieht. Damit würde die deutsche Sonderrolle der Vergangenheit, die in einer militärischen Selbstbeschränkung ihren Ausdruck fand, beendet.

Nicht nur wegen der fehlenden militärischen Fähigkeiten ist die Bundesregierung aber noch ein gutes Stück weit von diesem Ziel entfernt. So könnte die Bundeswehr zum Beispiel, falls von den USA gewünscht, ein Spezialkommando für den Einsatz in Afghanistan bereit stellen. Fraglich ist nur, ob die Koalition dies politisch schultern könnte. In Berlin wird darauf verwiesen, dass man mit der Leitung des Mazedonieneinsatzes schon eine führende Rolle in der Nato übernommen habe. Zudem werde Deutschland humanitäre Hilfe für afghanische Flüchtlinge leisten - eine Aufgabenstellung, die die Bundesrepublik auch in der Vergangenheit stets als die ihre begriffen hat.

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