Beitragserhöhungen werden nicht ausgeschlossen
Neues Rekorddefizit der Krankenkassen erwartet

Die gesetzliche Krankenversicherung steuert auf ein neues Rekorddefizit zu. Die Kaufmännische Krankenkasse KKH teilte am Mittwoch in Hannover mit, für die erste Hälfte dieses Jahres werde mit einem Minus von rund 5 Mrd. DM (2,56 Mrd. Euro) gerechnet.

dpa-afx BERLIN. Preistreiber seien besonders die Ausgaben für Arzneimittel und für Krankengeld zu. Die KKH bestätigte damit Meldungen der "Frankfurter Rundschau" und der "Financial Times Deutschland". Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, der Sachverständigenrat für das Gesundheitswesen sehe das deutsche System in einer tiefen Krise.

Laut "Frankfurter Rundschau" wird im Umfeld des Berliner Gesundheitsministeriums für das Gesamtjahr ein Verlust von 8 Mrd. DM erwartet. Ursprünglich sei ein Minus von 6 Mrd. DM einkalkuliert worden.

Beitragserhöhungen werden nicht ausgeschlossen. "Sie könnten bei 0,3 %punkten liegen", sagte die Leiterin der Berliner Außenstelle des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen (VdAK), Eva Walzik, der "Financial Times Deutschland". Derzeit liegt der durchschnittliche Beitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung bei 13,6 %.

Vor diesem Hintergrund wird der Sachverständigenrat für das Gesundheitswesen zusammen mit Ministerin Ulla Schmidt (SPD) an diesem Donnerstag sein neues Gutachten zur Unter- und Überversorgung chronisch Kranker vorstellen. Der "Süddeutschen" zufolge halten die sieben so genannten Gesundheitsweisen vor allem die Aufgabenteilung zwischen Gesetzgeber und Verbänden für reformbedürftig. In ihrem fast 1000 Seiten umfassenden Bericht stellten sie ein "partielles Versagen der Selbstverwaltung" fest. Die Organisationen von Kassen und Ärzten bräuchten zu lange, um Gesetze umzusetzen und so Mängel zu beheben. Besonders kritisch beurteilten sie die Behandlung von Brustkrebs in Deutschland. Auch der Umgang mit Medikamenten sei geprüft worden, berichtet das Blatt.

Die Studie ist der dritte Band eines Gesamtgutachtens. Die ersten beiden Bände hatten die Sachverständigen bereits im März präsentiert. Danach ist das deutsche Gesundheitswesen zwar sehr teuer, liegt aber bei der Lebenserwartung und der Versorgungsqualität nur im Mittelfeld.

Aufgabe der Gesundheitsweisen ist es, die Politik zu beraten und Vorschläge für Reformen im Gesundheitswesen zu erarbeiten. Die Politik kann die Vorschläge aufgreifen, muss es aber nicht. Das Gremium erstellt die Gutachten im Auftrag des Gesundheitsministeriums.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%