Bekanntheit steigt mit der Pleite
Der letzte Schrei

Kostenlose Publicity wäre für Dotcoms eine feine Sache, doch leider kommt sie naturgemäß zu spät.

Viele junge Firmen sind ins Netz gegangen und müssen nun wieder raus. Trotz und wegen zu hoher Marketing-Ausgaben. Eine Studie des US-Marktforschers Applied Communications fand nun heraus, dass die Bekanntheit der Dotcoms mit der Pleite ordentlich ansteigt. Die Forscher zählten Artikel, Berichte und Überschriften nach und stellten fest, dass viele Firmen, denen das Geld längst ausgegangen war, häufiger in den Medien erscheinen, als Unternehmen, die ihre Geldgeber noch überzeugen können.

Ganz nach dem Motto: Nur eine schlechte Nachricht ist eine gute Nachricht, wird die Pleite des Online-Bekleidungshändlers Boo.com besonders gern zitiert. Sie markiert den Beginn der Internet-Krise. Das Unternehmen steht mit weitem Abstand ganz oben, gemessen am Publicity-Index der Marktforscher. Was lernen wir daraus? Sollen sich die Unternehmer nicht mehr verstecken, wenn ihnen das Geld ausgeht? Sollen sie laut aufjaulen?

Der Gründer des Entertainment-Portals K1010 in Reutlingen scheint diese Lehre gezogen zu haben. Ende März ging er mit seinem Hilferuf an die Öffentlichkeit. Ein Investor sei abgesprungen. Nun bittet das Unternehmen um Hilfe, es braucht Geld. Und die Resonanz sei unglaublich, erklärt das Unternehmen. Kostenlose Bannerschaltungen, Geld und Sachspenden seien eingegangen. Allerdings: Bis heute gibt es keine neuen Geldgeber, zumindest wurde das bis heute nicht bekannt gegeben.

Ist der letzte Schrei nach Geld doch kein probates Mittel zum Überleben? Wohl nicht. Das muss ein unternehmerisch denkender Mensch ganz anders anpacken. Auch hier kommt wieder Boo.com ins Spiel. Gründer Malmsten stört auch schlechte Publicity überhaupt nicht, er ist prominent - Pleite sei Dank.

Er hat die Marktlücke entdeckt, mit der er nun wieder Geld verdienen kann. Er schreibt gerade an einem Buch über seine Erlebnisse als Internet-Unternehmer. Wenn das Buch wie geplant im September erscheint, wird seine Geschichte wieder erzählt werden, wird die Zahl der Artikel, in denen das Wörtchen Boo vorkommt, wieder ansteigen. Und er wird er höchstwahrscheinlich gut daran verdienen. Ganz allein, ganz ohne Firma und ganz ohne Geldgeber.

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