Bekanntheitsgrad des Unternehmens steigern
Gerhard Weber: Der mit dem Tennisturnier

Gerhard Weber ist dank seiner Modefirma ein reicher Mann. Und er ist ein bekannter Mann, dank seines Tennisturniers auf Rasen. Die Kombination aus Wirtschaft und Sport funktioniert in Ostwestfalen noch immer.

HALLE/WESTFALEN. Vor ein paar Tagen erst feierte er nach monatelanger Pause sein Comeback auf dem Tennisplatz. Es endete schon nach wenigen Minuten beim Stande von 1:1 im ersten Satz. Eine Zerrung war der Grund, das Westfalenliga-Spiel im Team des TC Blau-Weiß Halle für ihn unfreiwillig schnell vorüber. Der Verletzte hieß Gerhard Weber.

Der wird am Montag 61 Jahre alt und ist Deutschlands einziger Anbieter von Weltklasse-Tennis auf Rasen. Zum zehnten Mal finden vom kommenden Montag an die Gerry Weber Open auf plattem ostwestfälischen Land statt. Jenes Turnier, das hier zu Lande der Tennis-Baisse trotzt und allseits gelobt wird, weil es so anders ist. Schön beschaulich, schön grün. "Schon schön", denkt fast jeder, der mal auf dem Centre Court gesessen hat und sich einbilden durfte, in Wimbledon zu sein.

Dass die in ihrer Attraktivität beschränkte Kleinstadt Halle schon Weltstars wie Boris Becker und Andre Agassi begrüßen konnte und diesmal auf Pete Sampras hoffen darf, liegt vor allem daran, dass Webers Firma noch immer erfolgreich ist. "Ich hätte mir nie träumen lassen", beginnt der Modemann das Tennis-Interview, "das wir mal im M-Dax vertreten sind und dort wie in der vorvergangenen Woche auf Platz zwölf der meist gehandelten Werten rangieren."

Dann erzählt er von der 45-prozentigen Exportquote, von den Shops und Stores, die man überall auf der Welt eröffnet habe. Im Gum in Moskau, in der Galerie Lafayette in Paris oder im heißen Dubai. "Wenn sie dort ankommen, meinen sie, Gerry Weber wäre eine Fata Morgana", plaudert Weber im nicht zu überhörenden Westfalen-Slang. "Auch in stürmischer See funktionieren alle unsere Marken, wir sind ein Fels in der Brandung."

Zweistellige Wachstumsraten sind freilich auch für ihn Vergangenheit, unlängst gab es eine Umsatzwarnung: "Es ist nicht so wichtig, ob wir um sieben oder zehn Prozent wachsen. Was zählt, ist, dass wir den Aktionären eine vernünftige Dividende zahlen." Am Mittwoch sind die Anteilseigner, denen im Vorjahr von knapp 400 Millionen Euro Umsatz berichtet wurde, zur Hauptversammlung in den neuen VIP-Bereich der Weberschen Sportanlage geladen. Hier fühlt man sich very important.

Wenn es unmittelbar neben den piekfein gepflegten Rasenplätzen um Renditen und Margen geht, unterstreicht dies, wie sehr Wirtschaft und Sport in Gerrys Reich beisammen liegen. Dass sich beide Bereiche bestens ergänzen und die Investitionen in Boris & Co. lohnenswert waren und sind, steht für den Firmenchef außer Frage. "Der Bekanntheitsgrad unseres Unternehmens lag 1993 bei 14 Prozent, heute sind es 58 Prozent. Davon bringt die Hälfte unseren Namen mit Sport in Verbindung", sagt der Firmenchef, der nach eigenen Angaben rund 65 Millionen Euro in seinen Tennistempel investierte und einen Turnieretat von 13 Millionen Euro veranschlagt.

Und so werden nicht nur Großaktionäre gehegt und gepflegt, sondern natürlich auch die Tennisstars. Sie bekommen jeden Wunsch von den Augen abgelesen, während sich ihre Frauen selbstverständlich mit feinem Tuch aus Gerry-Weber-Produktion eindecken dürfen. Doch auch die zahlende Kundschaft auf den Tribünen wird so bedient, dass ihr wenig Anlass zu Kritik geboten wird. Irgendwann, so die Überlegung der Organisatoren, soll zusätzlich auch ein Damenturnier angeboten werden.

Zum besten World-Series-Turnier wurde Halle bereits auserkoren, was Gerhard Weber genauso freut wie seine Ausrufung als "Unternehmer des Jahres in Ostwestfalen" oder die Prämierung als "Brand of the Year" in England. Globale und lokale Erfolge im Paket, und niemand - auch der gemeine Tennisheld nicht - meckert über den Standort in der Provinz. Dazu Weber: "Wer will, kann ja nach Bielefeld in die Disco fahren."

Lieblingsfeind: Deutscher Tennis-Bund

Ohne großes Know-how in der großen weiten Welt des weißen Sports hat man hier einst begonnen, heute glauben der Hobbyspieler und sein als Turnierorganisator fungierender Sohn Ralf das Einmaleins zu kennen. Folglich schießt Gerhard Weber immer noch gern gegen seine Lieblingsfeinde vom Deutschen Tennis-Bund. "Früher habe ich mich mehr mit denen rumgebalgt, darüber könnte ich ein ganzes Buch schreiben", sagt der Senior.

Vor allem die Fehlplanungen rund um die Hamburger Rothenbaum-Anlage haben es ihm seit jeher angetan: "Da wurden so viele Fehler gemacht, mehr kann man gar nicht machen. Wenn ich mein Privatgeld verbrate, ist das was anderes. Da aber ging es um Geld des Verbandes, das völlig falsch investiert wurde." Die Verantwortlichen des DTB seien immer wieder "geldgeil" gewesen, "und jetzt sitzen sie im Mist drin".

Er nicht. Denn: "Wir haben weder mit dem Unternehmen noch mit dem Tennis große Beträge in den Sand gesetzt, weil wir nie wirkliche Risiken eingegangen sind", behauptet der einstige Sponsor von Katrin Krabbe und Steffi Graf. Weber hat keine Pay-TV-Abenteuer unternommen, sondern immer auf frei empfangbare Sender gesetzt.

"Vom Bezahlfernsehen halte ich nichts, absolut null. Ich wollte mich nicht vergewohltätigen lassen und habe mich nie mit denen unterhalten", betont Weber. "Gott sei Dank ist das Thema jetzt wohl vorbei, nachdem die Formel 1 dem Kirch gesagt hat, dass sie das Spiel nicht mitmacht. Dass die Automobilhersteller mit einer eigenen Rennserie drohen, ist genau richtig."

Genau richtig, wie sein ganz persönlicher Tennistraum aus Beton und Rasen, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Holz Speckmann und dem Sonderpostenmarkt Tobi (total billig). Gezweifelt hat Gerhard Weber an seiner Idee des Turniers am Fuße des Teutoburger Walds nie, und wenn doch, dann sind sie seit kurzem endgültig gewichen. Als er Russlands Präsident Wladimir Putin bei dessen Deutschland-Visite vorgestellt wurde, fragte der Staatsgast: "Sind sie der mit dem Tennisturnier?"

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%