Bekenntnisse gefragt
Wie Prominente im Wahlkampf mobil machen

Stars und Sternchen werben für die Parteien - mal mit mehr, mal mit weniger schlauen Sprüchen.

rtr BERLIN. Was haben eine schöne Schauspielerin, ein Preisboxer und ein Literaturnobelpreisträger gemeinsam? Wohl gar nichts bis auf zwei Dinge: sie sind prominent und werben für den Kanzler. Iris Berben, Darius Michalczewski und Günther Grass sind keine Ausnahme. Unter Mottos wie "Zweite Halbzeit für Gerhard Schröder" oder "1000 Gründe für Schröder" hat die SPD gleich einige Dutzend Stars und Sternchen aus Kultur, Showbiz und Sport von Hannelore Elsner bis Jürgen Klinsmann aufgeboten, die dem Kanzler im Wahlkampf prominenten Rückenwind verschaffen sollen.

Auf der Webseite der SPD werben die Stars mit ihren Unterschriften und - mal mehr, mal weniger scharfsinnigen - Sprüchen für eine Fortsetzung von Rot-Grün: "Ich unterstütze Schröder, weil er ein guter Kanzler ist", schreibt etwa Til Schweiger. "Ich unterstütze Schröder, weil er der bessere König für Deutschland ist", so der an den Rio-Reiser-Hit angelehnte Slogan der Schauspielerin Stefanie Stappenbeck. Auch Teenie-Popstar Smudo hat einen Aufruf für Schröder unterschrieben: "Weil man nicht den Kreide-Stoiber wählen darf. Das ist doch ein Wolf im Schafspelz." Größtenteils beschränkt sich die Werbung auf gut gemeinte Sprüche. In der Schlussphase des Wahlkampfs kann Schröder aber auch auf die lautstarke Unterstützung von Rock-Bands wie die Prinzen zählen, die vor seinen Reden die Stimmung anheizen sollen.

Ex-Miss-World schwört auf Stoibers Charisma

Mit etwas Verspätung stieg Ende August auch die Union in den Promi-Wahlkampf ein. Kultbands machen sich bei den Konservativen zwar rar. Dafür werben Stars wie Ex-Miss-World Petra Schürmann und Rennrodler Georg Hackl im Internet für den Herausforder aus Bayern. Während Schürmann das Charisma Stoibers beschwört, lobt Dressurreiterin Nicole Uphoff seine "direkte und ehrliche" Art. Eisschnelläuferin Anni Friesinger hätte man auch gerne dabei gehabt, doch die sagte leider ab. "Wir raten unseren Sportlern, sich nicht in die Politik einzumischen. Das ist schlecht für die Werbeverträge", sagt Manager Jochen Habermeier. Wohl kein Problem für Herbert Grönemeyer: "Ich bin für eine große Koalition, absolut", sagte der Sänger aus dem Ruhrgebiet. Wenn es um das Zusammenwachsen von Deutschland gehe, "können die auch ruhig mal vier Jahre was zusammen machen"."

Neu ist die Idee der Promi-Polit-Werbung nicht. Schon vor 30 Jahren machten TV-Lieblinge wie Horst Tappert und Katja Ebstein für SPD-Kanzler Willy Brandt mobil. Schauspielerinnen wie Inge Meysel und Romy Schneider outeten sich in "Brigitte"-Anzeigen als Brandt-Fans, Grass schrieb so manche seiner Reden. Dennoch war die Situation 1972 eine andere: "Es gab eine klare Stimmung in der Gesellschaft für Brandt, damals verstärkten die Stars nur den Trend", sagt Franz Decker von der Universität Bonn. "Heute ist das nicht eindeutig. Die Kandidaten unterscheiden sich kaum noch, der Wahlkampf ist ziemlich lahm geworden", fügt er hinzu. "Ich erwarte deshalb keine große Wirkung der Promi-Werbung."

Dolly Busters FDP-Spot verschwand im Giftschrank

Anders als damals müssten sich die Parteien heute mehr einfallen lassen, um die Wähler zu erreichen, glaubt Decker. Ein gut gemeinter Promi-Spruch reiße niemanden mehr vom Hocker. Mit Ex-Pornostar Dolly Buster hätte die FDP dies fast noch einmal geschafft. Doch der Spot, den Buster für die Liberalen drehte, verschwand nach einer Präsidiumssitzung im Giftschrank. "Denken Sie auch drei Mal am Tag an Sex? Dann bitte auch an 18", schien der FDP-Spitze bei allem Spaß doch etwas zu freizügig. Auch ein Versuch der Julis, Buster für den Wahlkampf einzuspannen, schlug fehl: Am Wiesbadener Landtag wurde ihnen in Begleitung der vollbusigen Blondine der Eintritt verwehrt.

Wie gut, dass die FDP da neben bekennenden Liberalen wie Designer Wolfgang Joop noch einen Trumpf im Ärmel hat, der sich nicht abwimmeln lässt: Ex-Pornodarsteller und-Glücksradstar Peter Bond ist nicht nur prominent, sondern will selbst für die FDP in den Bundestag ziehen. In seinem Wahlkreis putzt er derzeit Klinken, die meisten Bürger lassen ihn gerne herein. "Bekanntheit hat einen großen Vorteil", sagte er jüngst zu Reuters. "Wenn ich an den Türen klingele, haben 80 % der Leute schon einmal meinen Namen gehört." Sollte Bond gewählt werden, hätte er zumindest eine These der Experten widerlegt: Prominente könnten das Wahlergebnis nicht beeinflussen.

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