Bekleidungshersteller setzt ganz auf „Made in Italy“
Benetton will mit Megastores wachsen

Den italienischen Modeanbieter Benetton lässt die flaue Konsumnachfrage offenbar kalt. Das Textilunternehmen plant mit einem Umsatzwachstum von mindestens sieben Prozent.

PONZANO VENETO. Der größte italienische Bekleidungshersteller Benetton Group SpA erwartet anders als viele Konkurrenten keinen Umsatz- und Ertragseinbruch angesichts der weltweit schlechteren Konjunktur. Der Gründer und Chef des Unternehmens, Luciano Benetton, sagte im Gespräch mit dem Handelsblatt: "Wir sind absolut nicht beunruhigt und rechnen damit, dass 2001 der Umsatz bei gleich bleibendem Gewinn um weitere sieben bis acht Prozent zulegen wird." Im letzten Jahr hatte die Benetton Group bei einem Geschäftsvolumen von 2 Mrd. Euro ein operatives Ergebnis von 309 Mill. Euro (minus 2 % gegenüber dem Vorjahr) erwirtschaftet. Der Nettogewinn war lediglich durch den Verkauf des Formel-l-Rennstalls an Renault sprunghaft um 46 % angestiegen. Mittelfristig hält der Selfmademan aus Nordostitalien jährliche Wachstumsraten von 8 bis 10 % für realistisch.

Benetton glaubt, dass ab dem kommenden Jahr sein umfangreiches Investitionsprogramm Früchte tragen wird: Für rund 500 Mill. Euro wurden seit 1999 auf der ganzen Welt 80 großflächige Megastores eröffnet, davon 12 in Deutschland. Weitere Filialen mit über 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche sollen folgen; budgetiert hat Benetton dafür in den kommenden drei Jahren über 250 Mill. Euro. Hinter dem Konzept der Megastores steckt nicht nur das Ziel, die Fixkosten im Verhältnis zur Verkaufsfläche zu senken, sondern auch die Umsätze pro Quadratmeter zu erhöhen. Hier sei eine Steigerung von bis zu 300 % drin, sagt Benetton.

Weiterhin Mode zu günstigen Preisen

Anders als viele italienische Modefirmen, wie Prada oder Tod?s, will sich Benetton bewusst nicht zu einem Hersteller von Luxusartikeln wandeln. "Wir arbeiten zwar in einem Markt, in dem wir modische Trends setzen müssen, dies aber bei günstigen Preisen." Luxusgüterhersteller müssten anderen Gesetzen gehorchen - vor allem bei der Standortwahl. Während Luxusmarken ihr Publikum vor allem auf den Flaniermeilen großer Metropolen ansprechen, ist Benetton ist in Städten mit 20 000 Einwohnern vertreten. Analysten geben ihm recht: bei der Masse von rund 100 Millionen verkauften Artikeln pro Jahr könnte Benetton unmöglich jene Exklusivität vermitteln, die echte Luxusgüterhersteller wie Gucci oder Prada auszeichneten. Marken, die aktuell zum Verkauf stehen, Fila beispielsweise, interessieren Benetton nicht. "Wir denken im Augenblick an keine Akquisitionen."

Dreh- und Angelpunkt der Marketingstrategie bleibt das "Made in Italy". Auch weiterhin werde, so Benetton, mit 80 % der wesentliche Teil der Fertigung in Italien bleiben. In Dritte-Welt-Ländern produziere das Unternehmen grundsätzlich keine Kleidung (lediglich Accessoires), auch nicht in China. Lediglich in Ungarn und Kroatien sowie Tunesien besitzt der Konzern Fertigungskapazitäten.

Textilien bleiben Kerngeschäft

Trotz der inzwischen breiten Diversifikation der Dachgesellschaft Editieren Holding SpA werde die Bekleidungstochter weiterhin die wichtigste Rolle im Familienimperium spielen. "Textilien bleiben unser Kerngeschäft - das ist unsere Wurzel und das ist unsere Leidenschaft." Edizione kontrolliert neben der Benetton Group auch den Autobahnbetreiber Autostrade SpA, die Restaurantkette Autogrill und besitzt wichtige Beteiligungen an Pirelli sowie dem Mobilfunkbetreiber Blu. Hier soll das Engagement leicht verringert werden, aussteigen will Benetton aus dem Telefongeschäft aber nicht.

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