Bekleidungskonzern will Joop GmbH ohne den Gründer fortführen
Wünsche AG prüft Klage gegen Joop

Die Wünsche AG sucht dringend einen Investor. Denn die Zeit drängt: Der Konzern hat mit den Hausbanken eine Tilgungsaussetzung der Kredite für ein Jahr vereinbart, um seine Liquidität zu sichern.

lip/HB HAMBURG. Die börsennotierte Hamburger Wünsche AG prüft derzeit, ob sie den Modeschöpfer Wolfgang Joop wegen geschäftsschädigenden Äußerungen über die Marke verklagt. Zum Hintergrund: Kurz vor der gestrigen Bilanzpressekonferenz des Konzerns hatte der Designer mitgeteilt, dass er seine restliche Beteiligung von 5 % an der Joop GmbH "wegen unlösbarer Probleme der Qualitätssicherung sowie einer einheitlichen Designersprache für die Joop-Produkte" verkaufen will.

Das hält Wünsche-Vorstandschef Gerhard Janetzky für Rufschädigung. Damit läuft der Modezar Gefahr, seine Abfindung von voraussichtlich mehr als 10 Mill. DM zu verlieren, die ihm aus einem im März dieses Jahres gekündigten Designervertrag zustehen.

Die Bekleidungsgruppe Wünsche sieht gute Chancen, die Marke Joop auch ohne die Handschrift des Designers fortzuführen. So soll unter der Führung des neuen, für die Joop GmbH zuständigen Wünsche-Vorstands Wolfgang Freuer das zusammen mit dem Modeschöpfer bereits im Jahre 2000 ausgearbeitete Fünf-Jahres-Konzept umgesetzt werden. Es sieht bis 2005 einen Markenumsatz von 1 Mrd. DM vor. Im laufenden Jahr bringt die Insolvenz eines Lizenznehmers jedoch zunächst einen herben Rückschlag. Denn der Umsatz wird dadurch auf 480 (505) Mill. DM sinken.

Das Konzept kann aber nur umgesetzt werden, wenn Wünsche die erforderlichen Investitionen von 150 Mill. DM finanzieren kann. Deshalb sucht der Hamburger Konzern einen strategischen Investor. Sollte der nicht gefunden werden, dann bleibt dem Wünsche-Chef nur noch die Möglichkeit, den gesamten-Konzern (Cinque, Miles, Jansen Textil und Joop) zu veräußern. Denn die Zeit drängt: Der Vorstand hat mit der Hamburgischen Landesbank und der Frankfurter BHF-Bank vorerst für ein Jahr eine Tilgungsaussetzung für einen Großteil der Darlehen vereinbart, um die Liquidität zu sichern. Der Konzern verfügte im Jahr 2000 über Kredite von mehr als 290 Mill. DM. Sollte der Vorstand keinen Investor finden, dann soll mit den Banken ein neues Zahlungskonzept ausgearbeitet werden.

Damit deutet sich an, dass die Wünsche-Großaktionäre nicht mehr bereit sind, eine weitere Kapitalerhöhung zu zeichnen. Zu ihnen gehören der Hamburger Immobilienmulti Albert Büll sowie der Steuerexperte Richard Orthmann. Sie hatten im Vorjahr eine Kapitalerhöhung fast voll zeichnen müssen.

Der Konzern wird 2001 bei einem Umsatzzuwachs von 3 % auf 535 Mill. DM wahrscheinlich ein leicht negatives Betriebsergebnis ausweisen. Im abgelaufenen Jahr sank der Fehlbetrag auf 5,4 (34,5) Mill. DM. Geplant war ursprünglich aber ein ausgeglichenes Ergebnis.

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