Belastende Gerüchte über neue Emission von Bezugsrechten
KPN steckt tief in den roten Zahlen

Der niederländische Telekomkonzern KPN findet vorerst keinen Ausweg, um seine Schulden abzubauen. Im ersten Quartal dieses Jahres sind die Verbindlichkeiten auf 23,3 Mrd. Euro angewachsen.

sbe BRÜSSEL. Für den niederländischen Telekomkonzern KPN N.V., Den Haag, ist eine Emission von Bezugsrechten nahezu unmöglich geworden. Dafür hat nach Meinung von Analysten der Kurssturz der Aktie am Freitag gesorgt. Nach Berichten, KPN plane eine Emission über mindestens 5,5 Mrd. Euro mit einem Preisabschlag von rund 50 %, ist der Kurs um 18,5 % auf 8,99 Euro gefallen. Um nun 5 Mrd. Euro frisches Kapital zu bekommen, müsste KPN den Aktienbestand um 60 % ausweiten, berechneten Analysten. Die so entstehende Gewinnverwässerung würden große Aktionäre gar nicht oder nur bei einem noch stärkeren Abschlag mitmachen. Im deutschen Xetra-Handel konnte sich die Aktie am Montag nur leicht erholen.

 ; KPN - Drei-Monatsverlauf

KPN hat den Plan aber noch nicht aufgegeben, durch eine Emission die im ersten Quartal auf 23,3 Mrd. Euro angewachsenen Schulden zu senken. Alle Optionen zur Verbesserung der Finanzlage seien noch offen, sagte Finanzvorstand Maarten Hendersen. Für Analysten ein Indiz, dass die geplanten Beteiligungsverkäufe zäh verlaufen.

Henderson bezeichnete Schuldenabbau als oberste Priorität. Die Last entstand unter anderem durch den Erwerb des drittgrößten deutschen Mobilfunkers E-Plus und den Kauf von UMTS-Lizenzen. Die Zinszahlungen verschlangen im 1. Quartal mit 454 Mill. Euro nahezu den gesamten betrieblichen Cash-Flow von 488 Mill. Euro. Das ist eine Ursache, warum KPN, die zum ersten Mal Quartalszahlen veröffentlichte, im Quartal mit 539 Mill. Euro in die Verlustzone rutschte. Im Vorjahresquartal war das Ergebnis noch ausgeglichen.

Ebitda um 2,5 % gesunken

Der Betriebsgewinn vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen (Ebitda) sank im Quartal um 2,5 % auf 795 Mill. Euro. Ursache seien Preissenkungen im Festnetz sowie Kosten für das Sparprogramm und Marketingausgaben für E-Plus, erklärte Hendersen. Ohne E-Plus wäre das Ebitda leicht gestiegen.

Hendersen will das Ebitda in laufenden Geschäftsjahr um 5 % steigern. Das Wachstum werde in der zweiten Jahreshälfte realisiert, sagte er. Dann machten sich eine verbesserte Marge bei E-Plus, der Personalabbau und andere Einsparungen bemerkbar. E-Plus hat laut Hendersen im Mai die Wende zu einem positiven Ergebnis geschafft und ein Ebitda von 35 bis 40 Mill. Euro erzielt. Das erste Quartal brachte noch einen Verlust von 9 Mill. Euro. E-Plus "jage nicht mehr dem letzten Kunden nach" und habe die Subventionen pro Neukunden von 220 DM auf 53 DM gesenkt. Die Verträge mit Group 3G (Telefónica/Sonera) und Mobilcom zur Nutzung des E-Plus-Netzes sollen ab dem vierten Quartal 2001 bis 2005 einen Cash-Flow von 1,3 Mrd. Euro bringen.

Der Konzernumsatz von KPN soll in diesem Jahr um 10 bis 15 % steigen. Im ersten Quartal setzte das Unternehmen mit 2,96 Mrd. Euro rund 20 % mehr um als im Vorjahr, insbesondere weil E-Plus erstmals voll konsolidiert wurde.

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