Belastung der Deutschen Bank geringer als angenommen
Worldcom bekommt Finanzspritze

Deutsche Banken sind von der Worldcom-Pleite weniger betroffen als zunächst gedacht. Ihre Kreditwürdigkeit könnte dennoch leiden. Unterdessen hat Worldcom die Genehmigung für eine Finanzspritze erhalten.

bba/hus/mm/wsj NEW YORK. Ein Überbrückungskredit von 2 Mrd. $ soll dem insolventen US-Telekomkonzern Worldcom zunächst über die Runden helfen und den Geschäftsbetrieb sichern. Das Unternehmen hat gestern die richterliche Genehmigung für diese Zwischenfinanzierung erhalten.

Insolvenzrichter Arthur J. Gonzalez bewilligte zunächst eine erste Tranche von 750 Mill. $, die bis zur nächsten Gerichtsanhörung Anfang September reichen muss. Eine Zusage für den Gesamtbetrag von 2 Mrd. $ wird danach erwartet. An der Notfinanzierung sind in erster Linie die Banken J.P. Morgan Chase, Citigroup und GE Capital beteiligt.

Mit dem Überbrückungskapital will Worldcom-Chef John Sidgmore den Konzern grundlegend umstrukturieren, der Umbau soll im ersten Quartal 2003 beendet sein. Das wäre verglichen mit anderen Umstrukturierungen dieser Größenordnung doppelt so schnell. Sidgmore will den Konzern nach Möglichkeiten als Ganzes erhalten und Kündigungen von Kunden vermeiden. Der Konzern hat Schulden von 41 Mrd. $. Diese Verbindlichkeiten will der Worldcom-Chef im Insolvenzverfahren auf ein Viertel reduzieren.

Der Insolvenz-Richter gab unterdessen einem Antrag des US- Justizministeriums statt, einen unabhängigen Prüfer zu benennen. Dieser soll das Unternehmen wegen Missmanagement, Unregelmäßigkeiten und Betrug unter die Lupe nehmen. Eine solche Ernennung ist in den USA üblich, wenn die Justiz um die Interessen der Anleger fürchtet.

Abfindungen womöglich gestrichen

Als Geprellte werden voraussichtlich die kürzlich entlassenen 17 000 Mitarbeiter aus der Sache hervorgehen, weil sie unter Umständen auf ihre Abfindung verzichten müssen. Auch das entscheidet der Insolvenzrichter.

Der Worldcom-Zusammenbruch trifft auch die ohnehin schon krisengeschüttelten deutschen Banken. Als größter europäischer Gläubiger taucht die Deutsche Bank in den Listen der Kreditgeber des US-Konzerns auf. Das Institut bezifferte das maximale Risiko gestern auf 241 Mill. Euro, für die im zweiten Quartal eine entsprechende Risikovorsorge gebildet werde. Auf der Liste der 50 größten Kredit-Gläubiger tauchen zudem zwei weitere einheimische Institute auf: die Westdeutsche Landesbank mit 172 Mill. $ und die Bayerische Landesbank mit 100 Mill. $.

Die Ratingagentur Moody?s sieht das direkte Kreditengagement der Deutschen Bank nicht als großes Problem. Bei den Engagements von WestLB und BayernLB könnte das dagegen anders aussehen. Zwar habe Worldcom auch bei diesen beiden Instituten keine direkte Herabstufung der Bonitätsbewertung zur Folge, sagte Moody's-Analyst Michael Dawson-Kropf. Das Finanzkraft-Rating beider Banken werde aber derzeit geprüft und dabei werde Worldcom berücksichtigt. "Jeder weitere Verlust ist ein Problem für jede Bank, vor allem wenn die Institute nur wenig verdienen", macht der Moody?s-Analyst klar.

Insgesamt fällt die Belastung der heimischen Banken allerdings geringer aus, als noch am Montag von einigen Analysten befürchtet. Das gilt vor allem für die Deutsche Bank. In den von Worldcom eingereichten Konkursunterlagen taucht das Frankfurter Institut als Anleihegläubiger mit einem Betrag von über 1 Mrd. $ auf. Bei diesen Bonds handle es sich aber lediglich um Papiere, die das Institut als Treuhänder verwalte, sagte gestern ein Sprecher. Auf eigenes Risiko habe die Deutsche Bank lediglich einen "vernachlässigbaren Betrag" an Worldcom-Bonds in den Büchern. Auch die US-Bank JP Morgan Chase betonte, dass das tatsächliche Kreditrisiko im Fall Worldcom "unwesentlich und sehr gering" sei. JP Morgan verwaltet insgesamt 17 Mrd. Euro an Worldcom-Bonds. Die Verwahrung erfolge ähnlich wie bei der Deutschen Bank im Auftrag Dritter, und bedeute kein eigenes Risiko für JP Morgan, sagte eine Sprecherin.

Experten gehen davon aus, dass der Großteil der Worldcom-Bonds inzwischen breit gestreut an Kapitalsammelstellen wie Versicherungen, Fondsgesellschaften, Pensionsfonds und Vermögensverwalter verteilt wurde. In den USA haben Investoren wie Principal Financial, First American und American Express bereits Worldcom-Schäden eingeräumt. In Deutschland bezifferte der Allianz-Konzern sein Risiko auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Früheren Angaben zufolge ist die Münchener Rück mit rund 80 Mill. Euro betroffen.

Quelle: Handelsblatt

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