Belastungen durch Klima
Reiter bangen um Gesundheit ihrer Pferde

Trotz der hochgelobten Olympia-Außenanlage in Hongkong haben die Reiter Angst um ihre Pferde. Das extreme Klima steigert die gesundheitliche Belastung der Tiere von Tag zu Tag.

Klimaanlagen in den Ställen und eine moderne Klinik für Notfälle: Die hochgelobte Olympia-Außenstelle Hongkong hat angesichts des extremen Wetters keine Kosten und Mühen gescheut, doch die Angst um die Gesundheit der Pferde ist deutlich spürbar. Tierschützer warnten eindringlich vor Gefahren und forderten die Reiter sogar zum Olympia-Verzicht auf.

Nolting: "Bisher sind unsere Pferde topfit"

"Bisher sind unsere Pferde topfit", sagt der deutsche Tierarzt Björn Nolting. Bereits seit zehn Tagen bewegen sich die 14 deutschen Olympiapferde auf der Anlage in Sha Tin. Die Belastung wird von Tag zu Tag leicht gesteigert. Die Temperaturen liegen in der Regel bei mehr als 30 Grad Celsius, die Luftfeuchtigkeit blieb mit 60 Prozent bislang unter dem befürchteten Tropenhaus-Wert. "Bis jetzt geht es gut. Die Pferde gewöhnen sich mehr und mehr an das Wetter", sagt Dressur-Bundestrainer Holger Schmezer.

Probleme gab es bei der Konkurrenz. Vierbeiner anderer Nationen mussten per Infusionen mit zusätzlicher Flüssigkeit versorgt werden. "Es zahlt sich aus, dass wir unseren Pferden im Vorfeld beigebracht haben, aus Eimern zu trinken. So können sie auch auf dem Trainingsfeld Wasser zu sich nehmen", sagt der deutsche Delegations-Leiter Reinhard Wendt.

Aufgrund des Wetters Entscheidungen am Abend

Allen ist klar, dass die Belastung im Wettkampf größer sein wird. Deshalb wurden die Entscheidungen in die kühleren Abendstunden gelegt. Nur an den ersten Tagen müssen die Vielseitigkeitsreiter in der Dressur und im Geländeritt morgens ran. Vor der Mittagshitze soll das Feld aber im Ziel sein. Ab dem 12. August beginnen alle Wettkämpfe erst abends um 19.00 Uhr.

Der Deutsche Tierschutzbund rechnet mit dem Schlimmsten. Bundes-Geschäftsführer Thomas Schröder forderte die deutschen Reiter zum Olympia-Verzicht auf, weil angesichts der Hitze Verletzungen, Zusammenbrüche und sogar Einschläferungen möglich seien. Sollte sich dieses Horrorszenario abspielen, wäre das ein Schaden, den der Reitsport auf lange Zeit nicht reparieren könnte.

Pferde müssen vier Wochen gekühlt werden

Auch die deutsche Delegation war lange skeptisch. "Es ist mir ein Rätsel, dass es ein Komitee gibt, das die Spiele nach Hongkong vergibt", sagte Kurt Gravemeier, Bundestrainer der Springreiter. Der viermalige Olympiasieger Ludger Beerbaum (Riesenebck) klagte: "Bei diesen Bedingungen können die Pferde die eigene Körpertemperatur nicht mehr regulieren. Sie müssen vier Wochen gekühlt werden."

Der deutsche Reit-Verband setzte auf eine generalstabsmäßige Vorbereitung, um das Risiko möglichst gering zu halten. So nahm man mit unterschiedlichen Pferdetypen am Testevent mit dem vielsagenden Namen "Good luck Bejing" im August 2007 teil. "Da haben wir wichtige Erkenntnisse gesammelt", sagt Wendt, der seinen Olympia-Kandidaten im Anschluss empfahl: Ross und Reiter müssen in bester Kondition sein. Fortan schwitzten auch Beerbaum und seine Kollegen bei Jogging-Ausflügen oder auf dem heimischen Laufband.

Al-Hussein beteuert alles für die Pferde zu tun

Fraglich bleibt, wie die vielen chinesischen Helfer im Ernstfall die Probleme in den Griff bekommen. "Sie machen alles so, wie es abgesprochen ist. Nur wenn etwas Unvorhersehbares eintritt, reagieren sie manchmal schwerfällig", kritisiert Wendt. Doch der deutsche Delegationsleiter sollte Prinzessin Haya bint Al-Hussein vertrauen. Die Präsidentin des Weltreiter-Verbandes versprach: "Wir tun für das Wohl der Pferde mindestens genauso viel wie für das der Athleten."

© SID

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