Belegschaft besorgt
Brüsseler Kartellkeule trifft BASF bis ins Mark

Der Brüsseler Wettbewerbskommissar Mario Monti hat mit seiner schweren Kartellkeule gegen acht Hersteller von Vitaminpräparaten härter zugeschlagen als erwartet. Wegen verbotener Preisabsprachen sollen sie zusammen eine Strafe von 855 Mill. Euro (1,67 Mrd. DM) bezahlen.

dpa FRANKFURT/MAIN. Dabei werden die Schweizer Firma La Roche und der Ludwigshafener Chemieriese BASF als "Anführer und Anstifter" des Vitaminkartells besonders zur Kasse gebeten.

Auf beide Konzerne entfallen allein 89 % der bislang von Brüssel ausgesprochenen Rekordbuße. Während La Roche 462 Mill. Euro bezahlen muss, ist der BASF-Konzern mit 296 Mill. Euro dabei. Auf die Darmstädter Merck KGaA kommen lediglich 9,2 Mill. Euro zu.

Für den weltgrößten Chemiekonzern BASF, der allein einen Anteil von knapp 30 % am globalen Vitaminmarkt beherrscht, ist die höchste Strafe in der Geschichte der Kommission ein besonders schwerer Schlag. Angesichts der weltweiten Konjunkturflaute in der Chemie sind die Gewinne der Ludwigshafener ohnehin in diesem Jahr eingebrochen, in den USA nahmen die Verluste sogar deutlich zu.

"Kriminelle Kartellverschwörung"

Auf die aktuelle Wirtschaftslage haben die Brüsseler Wettbewerbshüter aber keine Rücksicht genommen. Für Monti war dies eines der "schlimmsten Kartelle, gegen die die Kommission jemals ermittelt hat". Das 1999 aufgedeckte weltweite Vitaminkartell hat die Abnehmer möglicherweise zig Milliarden gekostet. Über ein Jahrzehnt wurden allein in den USA überhöhte Preise für künstlich hergestellte Vitamine genommen, die als Nahrungsergänzungsmittel für Mensch und Zuchttiere verwendet werden.

Der Leiter der Wettbewerbsbehörde im US-Justizministerium, Joel Klein, hatte dies sogar noch schärfer angeprangert als sein europäischer Kollege: "Das Vitaminkartell ist die am meisten verbreitete und schädlichste kriminelle Kartellverschwörung, die jemals aufgedeckt wurde." Bereits die 99er BASF-Bilanz war entscheidend von dem Vitaminskandal in den USA geprägt. Er belastete das Jahresergebnis mit 700 Mill. Euro.

Wie ein Schock kam nun in dieser Woche die Nachricht aus Brüssel. "Wir haben diese Höhe nicht erwartet", war die erste BASF-Reaktion auf die Hiobsbotschaft von Monti. Die Rückstellungen reichen nicht aus, um die Rekordstrafe zu begleichen. Deshalb dürfte das ohnehin gedrückte Ergebnis nochmals belastet werden. Auch in der Dividende für 2001 können sich noch negative Vitaminspuren auswirken.

Alarmstufe für die Belegschaft

Nun werden die Juristen unter Hochdruck prüfen, ob mit einer Klage beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg zumindest die Chance besteht, die Höhe des Bußgeldes zu drücken. In spätestens zwei Monaten muss der BASF-Vorstand entscheiden, ob er Rechtsmittel gegen die Brüsseler Entscheidung einlegen wird.

Dies ist allerdings nicht die einzige Front, die noch zu begradigen ist. In den USA, Kanada, Australien und Neuseeland laufen noch Vergleichsverhandlungen mit geschädigten Kunden. Im September 2000 hatten BASF und La Roche in den Vereinigten Staaten bereits 82 beziehungsweise 142 Mill. $ an klagende Verbraucher, Unternehmen und staatliche Institutionen gezahlt.

Höchste Alarmstufe besteht auch für die besorgte BASF-Belegschaft. Nach den schlechten Neun-Monats-Ergebnissen und düsteren Aussichten war schon klar, dass über den bereits beschlossenen Personalabbau von 4 000 Stellen hinaus weitere Arbeitsplätze wegfallen. Nun befürchten Arbeitnehmervertreter zusätzlichen Druck auf das Personal. Der Betriebsratsvorsitzende Robert Oswald ist deshalb schon in Stellung gegangen. "Egal welche Summe es ist: Es kann nicht dazu führen, dass die Mitarbeiter die Zeche zahlen."

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