Belegschaften suchen Schutz vor Regressansprüchen
KPMG bietet Dach für Andersen-Partner

Die internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG will die Krise des Konkurrenten Arthur Andersen nutzen. Sie verhandelt mit den Andersen-Partnern außerhalb der USA über eine Fusion. "Wir sind derzeit dabei, die Möglichkeiten zu sondieren, wie unsere jeweiligen Geschäftsaktivitäten in den wichtigsten Ländern Europas, Afrikas, des Nahen Ostens, Asiens und Lateinamerikas sowie in Kanada zusammengeführt werden können", sagte Harald Wiedmann, Sprecher des Vorstands von KPMG Deutschland.

lü/egl DÜSSELDORF/BERLIN. Für die Landesgesellschaften des Wirtschaftsprüfungskonzerns Andersen wird die Zeit knapp. Sie sind zwar formell unabhängig von der Arthur Andersen LLP in den USA, doch der Skandal bei der US-Gesellschaft droht auch sie mit in den Abgrund zu reißen. Darum haben sich die Andersen-Landesgesellschaften außerhalb der USA jetzt entschieden, mit dem Konkurrenten KPMG über eine Fusion zu verhandeln.

Beide Seiten teilten am Montag Abend in einer gemeinsamen Presseerklärung mit, sie seien in konkrete Verhandlungen eingetreten. Ziel sei es, die jeweils wichtigsten nationalen Gesellschaften zusammenzuführen. Voraussetzung dafür sei die Zustimmung der beteiligten nationalen Partnerschaften und der Kartellbehörden. Die Europäische Kommission hat sich allerdings bereits vor Tagen skeptisch darüber geäußert, ob eine Übernahme des angeschlagenen Prüfungs- und Beratungsriesen Andersen durch einen Konkurrenten kartellrechtlich möglich wäre. Derzeit wird der Weltmarkt von fünf großen Wirtschaftsprüfungsfirmen beherrscht.

Doch die Andersen-Partner haben keine Zeit zu verlieren. Schon jetzt, das ist aus Verhandlungkreisen zu hören, setzen in Spanien, Großbritannien, Deutschland und anderen Ländern bedeutende Mandanten aus Finanzwirtschaft und Industrie den nationalen Andersen- Gesellschaften die Pistole auf die Brust. Sie fordern, dass die Partner dieser Gesellschaften schnell zu einem global arbeitsfähigen Wirtschaftsprüfungskonzern wie KPMG wechseln und so unter neuem Firmendach auch in den USA das bisherige Dienstleistungsangebot weiterführen. Sonst, so die Drohung, bleibe den Auftraggebern keine andere Wahl als möglichst schnell alle Brücken zu den Andersen-Prüfern abzubrechen und zur Konkurrenz zu wechseln, die nach wie vor auch in den USA die Prüfungen vornehmen kann.

Die Arthur Andersen LLP ist von der US-Regierung wegen Behinderung der Ermittlungsbehörden im Fall Enron verklagt worden. Ihr wird vorgeworfen, in ihren Büros Tausende von Dokumenten über den kollabierten Energiekonzern Enron, der ein Andersen-Kunde war, vernichtet zu haben. Die 89 Jahre alte Gesellschaft mit ihren weltweit 85 000 Beschäftigten hat die Anklage als "groben Missbrauch der Staatsgewalt" kritisiert und mit einem Todesurteil für das Unternehmen gleichgesetzt.

Das Verfahren ist auch ein Risiko für die geplante Fusion zwischen KPMG und den Andersen-Landesgesellschaften. Wie aus Kreisen der Übernahmepartner verlautete, ist noch nicht geklärt, inwieweit ausländische Andersen-Gesellschaften für mögliche Milliarden-Regressansprüche gegen Andersen USA mithaften müssen.

Um diesem Risiko zu entgehen, wollen die Verhandlungspartner den Angaben zufolge eine gesellschaftsrechtliche Übernahme nationaler Andersen-Gesellschaften vermeiden. Statt dessen sollen offenbar nur die einzelnen Partner und Belegschaften von Andersen nach KPMG wechseln. Danach sollen die Kunden ihre Mandate von den ausgehöhlten Andersen-Gesellschaften auf KPMG übertragen.

Die Andersen-Partner hoffen so, sich vor einer aus den USA heranrollenden Regresslawine zu retten. Die zu erwartenden Massenklagen vor US-Gerichten wegen der Verstrickung der Arthur Andersen LLP in das Enron-Debakel würden dann in ein paar Jahren möglicherweise im Ausland nur noch auf ein Netz von Andersen-Firmenhülsen treffen.

KPMG würde im Falle einer Übernahme mit einem geschätzten Gesamtumsatz von 16 Mrd. $ zum zweitgrößten Wirtschaftsprüfer der Welt hinter Price-Waterhouse-Coopers (PWC) aufrücken und die Konkurrenten Deloitte Touche und Ernst & Young auf die Plätze drei und vier verdrängen. In Deutschland könnte KPMG mit einem Umsatz von dann rund 1,2 Mrd. Euro den Vorsprung vor PWC ausbauen.

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