"Beleidigung für solide Geldanleger"
Zweifelhaftes Freizeitvergnügen

Das krisengeschüttelte Unternehmen Metabox hat ein neues Vorstandsmitglied. Der Diplom-Psychologe Michael Heckeroth hat sich in der Vergangenheit massiv für Metabox eingesetzt - unter anderem in so genannen "Pusher-Boards" für Aktien.

DÜSSELDORF. Mehrere 100 Einträge hat der 51-Jährige unter dem Pseudonym Janphil - in Anlehnung an seine beiden Söhne Jan (17) und Philip (19) auf einer Deutsche Finanzsite verfasst - fast ausschließlich mit positiven Beiträgen.

Er berichtete über neue Großaufträge für das Unternehmen, das Hard- und Softwarelösungen für Anwendungen des interaktiven Fernsehens entwickelt und vertreibt, und gab Interviews mit seinen jetzigen Vorstandskollegen wieder. Und er zog über seiner Ansicht nach unfreundliche Metabox-Berichten her. "Gerade in den letzten Tagen ist der Fanatismus, mit dem von Seiten der Gegner des Unternehmens (Metabox, die Redaktion) zu Werke gegangen wird, unübersehbar. Bei einigen muß man mittlerweile richtiger von Feinden als von Gegnern sprechen, so blindwütig werden die Attacken", schrieb er noch Ende März 2000 in einem Beitrag für den virtuellen Diskussionsraum.



Die Arbeit des Diplom-Psychologen würdigte bereits Metabox-Chef Stefan Domeyer. "Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Herrn Heckeroth, der sich bereits in der Vergangenheit entscheidend mit großem Know How für unser Unternehmen eingesetzt hat", begründete er die Entscheidung für den 51-Jährigen. Laut Pressemitteilung soll Heckeroth im Vorstand die Bereich Personal, interne Organisation sowie Finanzmarktkommunikation übernehmen.



Eine Sprecherin des Hildesheimer Technologierunternehmens bestätigte, dass Heckeroth die Einträge verfasst hat, wollte das aber nicht als gezieltes "pushen" von Aktien verstanden wissen. Sie verwies auf seine langjährige Arbeit in der freien "Aktionärsgemeinschaft Metabox", die mit 190 Mitgliedern rund acht Prozent des Kapitals auf sich vereint. Er habe die Vereinigung mit gegründet und war bis zu seinem Wechsel in den Vorstand deren Sprecher. Der Psychologe "hat das Unternehmen gut gekannt und sich dafür eingesetzt", heißt es.



In seinem letzten Board-Eintrag gab Heckeroth unter dem Titel "Abschied und Neuanfang" seine Identität praktisch bekannt und nannte seine bisherige Arbeit ein Freizeitobjekt von ihm und seinen beiden Kindern. Entsprechend waren die Reaktionen der Teilnehmer: "Ich empfinde es als Beleidigung für alle soliden Geldanleger, wenn der designierte Vorstand einer Aktiengesellschaft über Monate seine Söhne in einem Aktienboard zum Wohl der Firma "argumentieren üben" läßt", schrieb ein Board-Teilnehmer unter dem Pseudonym more and more. "Hat dieser Mann überhaupt kein Gewissen oder ist er wirklich so naiv, das er glaubt, dass er damit durchkommt?"



Bereits gestern präsentierte der Vorstand der Hildesheimer Aktiengesellschaft - nach der vorhergehenden Kündigung durch die bisherigen Betreuerbanken - einen zweiten Designated Sponsor. Neuer Partner ist die Frankfurter Wertpapierhandelsgesellschaft Peter Koch Xchange Brokers GmbH. Damit verfügt Metabox wieder über die vorgeschriebene Anzahl von zwei Betreuern, die laut Regelwerk der Deutschen Börse AG für den Xetra-Handel erforderlich sind. Am Montag hatte das Technologieunternehmen bereits mitgeteilt, dass mit dem Wertpapierhandelshaus Frohne & Klein GmbH ein entsprechender Vertrag unterzeichnet wurde.

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung
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