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Belgien droht Swissair mit Klage

Der Vorschlag des Schweizer Luftfahrtkonzerns Swissair , gegen eine Einmalzahlung von seinen Verpflichtungen bei der defizitären belgischen Fluglinie Sabena entbunden zu werden, ist am Dienstag sowohl bei Sabena als auch bei der belgischen Regierung auf wenig Gegenliebe gestossen.

Reuters BRÜSSEL. Sabena-Verwaltungsratspräsident Fred Chaffart nannte die Schweizer Offerte am Abend weithin ungenügend. Die Regierung, die 50,5 % an Sabena hält, will die Swissair vor Gericht bringen und droht mit einer Schadenersatzforderung über 354 Mill. ? (knapp 540 Mill. sfr).

Swissair, die 49,5 % an Sabena hält und der finanzielle gesehen das Wasser ebenfalls bis zum Hals steht, hatte zuletzt vorgeschlagen, die beiden Aktionäre sollten bei Sabena zusammen 305 Mill. ? an frischem Geld einschiessen. Swissair sollte dafür im Gegenzug insbesondere von der Pflicht befreit werden, ihren Anteil an Sabena auf 85 % zu erhöhen.

Die belgische Regierung kann sich mit dem Vorschlag nicht anfreunden. Der belgische Minister für Telekommunikation und Staatsbeteiligungen sagte, die Klage solle bei einem Brüsseler Handelsgericht eingereicht werden. Ziel sei es, Swissair dazu zu bringen, ihre vertraglichen Verpflichtungen zu respektieren. Er verlangte, dass Swissair der Sabena 529 Mill. ? als Darlehen oder Kreditlinie zur Verfügung stelle. Falls Swissair darauf nicht eingehe, solle sie zu einem Schadenersatz von 354 Mill. ? verurteilt werden.

Bei der Swissair in Zürich hiess es, eine Klage entbehre jeder Grundlage. "Wir sehen überhaupt keine rechtliche Grundlage für einen solchen Schritt und deshalb denken wir, dass es nicht so weit kommt", sagte ein Swissair-Sprecher. Swissair sei noch nicht offiziell von einer Klage in Kenntnis gesetzt worden.

Analysten schätzten, dass ein verlorenes Gerichtsverfahren Swissair bis zu 800 Mill. sfr kosten könnte. Swissair betonte in den vergangenen Wochen immer wieder, dass mit Rückstellungen in Höhe von 2,4 Mrd. sfr im Jahresabschluss 2000 alle finanziellen Risiken aus den ausländischen Airline-Beteiligungen abgedeckt seien.

Ein Gerichtsverfahren könnte sich lange hinziehen und es könnte eine Weile dauern, bis Swissair tatsächlich zur Kasse gebeten würde. Aktienhändler gaben aber zu bedenken, dass die Swissair-Aktionäre kaum bereit sein dürften, eine lange Phase der Unsicherheit mitzumachen. Die Swissair-Titel verloren am Dienstag 5,50 sfr oder 5,24 % auf 99,50 sfr.

Der belgische Premierminister Guy Verhofstadt hatte Swissair bereits früher mit einer Schadenersatzklage gedroht, wenn sich der Luftfahrtkonzern nicht an die Verpflichtung halte, den Anteil an Sabena aufzustocken.

Eine Einigung in letzter Minute scheint nicht ausgeschlossen. Sabena-Verwaltungsratspräsident Chaffart sagte weiter, er hoffe, dass sich die beiden Aktionäre noch einigen würden. Zudem gebe es vier Parteien, mit denen über eine mögliche Beteiligung an Sabena gesprochen würde.

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