Belgiens Einwanderer Protestieren
„Wir sind Opfer, nicht Täter“

Nach dem Mord an einer Afrikanerin und einem zwei jahre alten belgischen Mädchen in Antwerpen demonstrierten belgische Einwanderer in Brüssel gegen Fremdenhass und die extremistische Partei "Vlaams Belang". Ihr Credo: "Wir sind nicht gefährlich - wir sind in Gefahr!"

BRÜSSEL. Die Wut ist ihm ins Gesicht geschrieben: Mit weitaufgerissenen Augen brüllt Mohammed immer wieder: "Vlaams Belang raus!" Er hat sich ein Plakat mit einer Zielscheibe umgehängt. "Ich habe Angst, Angst vor den Rassisten, Angst um mein Leben." Mohammed demonstrierte am Sonntag in Brüssel mit 1000 anderen gegen Fremdenhass, Gewalt und die rechtsextreme Partei "Vlaams Belang".

Am Donnerstag hatte ein 18 Jahre alter Skinhead in Antwerpen eine Afrikanerin und ein belgisches zwei Jahre altes Mädchen auf offener Straße erschossen. Eine Türkin wurde schwer verletzt. Der Todesschütze hatte ein Jagdgewehr und 20 Schuss Munition gekauft, bevor er gezielt auf Menschen fremder Herkunft schoss. Bei seinem Verhör sagte er, das Mädchen heller Hautfarbe habe Pech gehabt: Er habe das Kind erschossen, weil es "zur falschen Zeit am falschen Ort" gewesen sei. Das Kind fuhr auf einem Dreirad neben dem Kindermädchen aus Mali.

Die Polizei fand bei dem Täter Aufkleber der rechtsextremen Partei Vlaams Belang. Die Tante des Jugendlichen ist Abgeordnete der Partei, die für einen Einwanderungsstopp kämpft. Die Vorgängerorganisation Vlaams Blok war wegen rassistischer Äußerungen verboten worden. Aber in Flandern erreicht die Nachfolge-Partei nach wie vor bis zu 30 Prozent der Wählerstimmen. In Antwerpen ist sie die stärkste Kraft im Rathaus.

"Niemand in unserem Land kann mehr die Augen davor verschließen, wozu solch eine extreme Politik führen kann", sagte Premier Guy Verhofstadt. Zwar sei der Vlaams Belang nicht direkt für die Tat verantwortlich, sagt der Politikwissenschaftler Jerôme Jamin von der Universität Lüttich, "aber die eindeutig fremdenfeindlichen Reden der Politiker können bei Jugendlichen schon solche Reaktionen auslösen". Und es ist nicht das erste Mal: Vor zwei Wochen wurde in Brügge ein Afrikaner angegriffen und liegt seitdem im Koma. Das Innenministerium zählt jedes Jahr rund 1000 Anzeigen wegen fremdenfeindlicher Übergriffe.

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