Belgier ist neuer Präsident des IOC
Jacques Rogge: Vom Sportler zum Funktionär

Er ist redegewandt und mehrsprachig, gilt als geborener Diplomat und ist nicht zuletzt ein erfolgreicher Sportler: Als neuer Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) scheint der Belgier Jacques Rogge ideale Voraussetzungen mitzubringen. Am Montag wurde der 59-Jährige in Moskau mit großer Mehrheit zum Nachfolger des seit 21 Jahren amtierenden Juan Antonio Samaranch gewählt.

Reuters MOSKAU. Rogge soll die mächtigste Sportorganisation der Welt zunächst acht Jahre lang führen und kann dann für maximal vier Jahre wiedergewählt werden. Als neuer Chef des IOC sieht sich Rogge vor der Herausforderung, die Glaubwürdigkeit des Komitees wiederherzustellen und dem Doping im Sport entschlossen zu begegnen.

Als Segler trat der Mediziner Rogge bei drei Olympischen Spielen in Folge für sein Land an, später ging er in die Sportpolitik und war bei zwei Olympischen Winter- und drei Olympischen Sommerspielen Delegationsleiter für sein Land. Rogge, der dem IOC erst seit zehn Jahren angehört, steht im Ruf, ein fähiger Vermittler zu sein, ohne es an Bestimmtheit mangeln zu lassen. Der Belgier ist seit 1991 Mitglied des IOC, drei Jahre später wurde er zum Vize-Chef der medizinischen Kommission ernannt. Bei den Olympischen Sommerspielen von Sydney im vergangenen Jahr war Rogge Chef-Koordinator, und auch an der Vorbereitung der Olympischen Spiele in Athen im Jahr 2004 ist der Belgier maßgeblich beteiligt. Rogge sitzt zudem im Rat der internationalen Anti-Doping-Agentur (WADA).

Rogge kann seine Profession nicht verhehlen

Dass er Mediziner ist, kann Rogge nicht verhehlen. Immer wieder bedient er sich auch in Fragen der Sportpolitik der medizinischen Fachsprache. Gern betont der auf orthopädische Operationen spezialisierte Chirurg, Probleme gehe er ohne Zögern an. "Als Chirurg schneidest du, wenn da ein Geschwür ist - du lässt den Eiter abfließen und den Körper heilen", sagt er beispielsweise und fügt hinzu: "Wenn es Schwierigkeiten gibt, dann muss man sie so schnell wie möglich angehen."

Rogge sieht sich vor der Aufgabe, die Glaubwürdigkeit des IOC wieder herzustellen - diese hatte in den vergangenen Jahren unter anderem durch eine Korruptionsaffäre Schaden genommen. In Zusammmenhang mit der erfolgreichen Bewerbung von Salt Lake City um die Olympischen Winterspiele 2002 wurden zehn IOC-Mitglieder entweder aus dem Komitee ausgeschlossen oder traten zurück, weil sie Schmiergelder entgegengenommen hatten.

Entschlossener Kämpfer gegen Doping

Zudem wird immer wieder der Vorwurf gegen das IOC erhoben, nicht entschieden genug gegen das Doping im Sport anzugehen. Nach seiner Wahl kündigte der neue IOC-Präsident an, Olympia vor "Doping, Korruption und Gewalt" zu schützen, und viele Gratulanten verbanden ihre Glückwünsche für den neuen IOC-Präsidenten mit der Hoffnung, Rogge werde ein entschlossener Partner im Kampf gegen Doping sein.

In einem Interview würdigte Rogge wenige Tage vor der Abstimmung die Leistungen Samaranchs, sagte aber zugleich, die Zeit des 80-jährigen Spaniers als IOC-Präsident sei nun abgelaufen: "Ich habe höchsten Respekt vor dem, was Samaranch geleistet hat", sagte Rogge, fügte aber hinzu, Samaranch sei ein Mann aus einer anderen Generation.

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