Belgische Fluggesellschaft erhält 125 Millionen Euro vom Staat – Virgin Express möglicher Investor
EU will Beihilfe für Sabena genehmigen

Die belgische Fluggesellschaft Sabena könnte dem drohenden Konkurs erneut von der Schippe springen. EU-Verkehrskommissarin Loyola de Palacio wird am Mittwoch die Überbrückungsbeihilfe der belgischen Regierung genehmigen. Das bestätigten EU-Kreise dem Handelsblatt.

ebe/tom DÜSSELDORF/BRÜSSEL. Die in Not geratene belgische Fluggesellschaft Sabena soll eine weitere Atempause bekommen: EU-Verkehrskommissarin Loyola de Palacio wird am heutigen Mittwoch voraussichtlich die Überbrückungsbeihilfe der belgischen Regierung in Höhe von 125 Mill. Euro genehmigen. Das bestätigten EU-Kreise dem Handelsblatt.

Damit liegt der Ball zur Rettung der defizitären belgischen Airline wieder beim deutschen Vorstandschef Christoph Müller und dem belgischen Staat, der 50,5 % an der Airline hält. Müller brütet zur Zeit über einem neuen Business-Plan, den er noch in dieser Woche präsentieren will. -Dies ist eine der Voraussetzungen, an die die Genehmigung der EU-Kommission geknüpft ist.

Viel Spielraum bleibt Müller nicht. Ein realistisches Szenario zur Rettung Sabenas folgt dem Beispiel von Swissair und Crossair: Das Kerngeschäft - also der Flugbetrieb - soll in eine Tochtergesellschaft ausgegliedert werden. Die übrigen Unternehmensbereiche werden an Investoren verkauft. Im Fall Sabena hieße das die Übernahme eines Teils der Flotte durch die Regional-Tochter Delta Air Transport (DAT). Doch schon bei der Frage nach möglichen Investoren wird es schwierig. Nach der letzten Vorstandssitzung konnte Müller lediglich bestätigen, dass es "Interessenten" gebe, allerdings keine Vereinbarungen.

Offiziell hat bisher nur die belgische Virgin Express die Hand gehoben. "Wir wollen zur Lösung der Krise beitragen, aber müssen erst abwarten, wie der neue Business-Plan von Sabena aussieht", sagte ein Virgin-Express-Sprecher dem Handelsblatt. Ein Branchenexperte glaubt, dass eine Kooperation der beiden Unternehmen Sinn machen würde. "Die jüngsten Zahlen waren auch bei Virgin schlecht. Da tun sich zwei Lahme zusammen", sagte er.

Sicher ist, dass bei Sabena weit mehr als die ursprünglich vorgesehenen 1 400 Jobs abgebaut werden müssen. Sabena verfügt schon heute über zu viel Personal: Mit rund 12 000 Mitarbeitern befördert der belgische Staats-Carrier genau soviel Passagiere wie die irische Billig-Konkurrenz Ryanair mit seinen 2 500 Angestellten. Um die sozialen Folgen zu mindern, ist der belgische Staat nach Angaben des Ministeriums für Staatsbeteiligungen auch bereit, weit mehr als die bisher versprochenen zwei Mrd. belgischen Francs (50 Mill. Euro) zu zahlen. Damit sollen die härtesten Konsequenzen des drohenden Arbeitsplatzabbaus aufgefangen werden. Darüber hinaus versucht die belgische Regierung erneut auf gerichtlichem Weg, dem bisherigen Großaktionär Swissair weitere Zahlungen abzuringen. Im Juli hatten sich Sabena und ihr 49,5-%-Eigner allerdings auf einen Kompromiss geeinigt, mit dem sich Swissair von allen weiteren Verpflichtungen löste.

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