Belgischer Bier-Riese will im deutschen Markt eine starke Position aufbauen
Interbrew kauft Mehrheit an Diebels

Der deutsche Biermarkt wird neu geordnet: Mit dem Einstieg von Interbrew beim Altbierkonzern Diebels macht sich ein Konzern breit, der durch Zukäufe eine führende Position ins Auge fasst.

kv HB DÜSSELDORF. Diebels veröffentlicht keine Gewinnzahlen. Von einem Unternehmen, das ebenfalls am Erwerb von Diebels interessiert war, aber nicht genannt werden möchte, war zu hören, dass die Preisforderungen bei etwa 190 Mill. DM gelegen hätten.

Mit Interbrew steigt der zweitgrößte Bierbrauer der Welt (rund 70 Mill. Hektoliter Ausstoß) massiv in den deutschen Markt ein. Diebels ist mit einem Ausstoß von rund 1,5 Mill. hl die elftgrößte deutsche Biermarke und mit großem Abstand Marktführer beim Altbier. Erklärtermaßen will die expansionsfreudige Interbrew über Diebels die "Chancen zur internationalen Ausweitung nutzen". Der deutsche Biermarkt, der seit 1976 rückläufig ist, verfüge über ein "weitreichendes Konsolidierungspotenzial".

Damit dürfte nach Ansicht von Marktkennern klar sein, dass Interbrew weitere Akquisitionen in Deutschland ins Auge fasst und nicht nur seine eigenen Marken wie etwa Stella Artois vermarkten will. Interesse haben die Belgier bereits an der zum Verkauf anstehenden Bremer Braugruppe Beck & Co. bekundet, die anders als Diebels stark international aufgestellt ist. Interbrew betont weiter, man werde Diebels beim nationalen Vertrieb seines Spezialbieres unterstützen und verstärke durch die Ergänzung um eine deutsche Spezialmarke auch die Attraktivität seines internationalen Markenportfolios.

Mit dem Einstieg von Heineken, dem weltweit drittgrößten Brauer, bei der Münchner Schörghuber-Gruppe (Hauptmarke Paulaner), ist seit einigen Monaten bereits ein Brau-Riese in Deutschland tätig, der nach eigener Darstellung langfristig Marktführer werden will. Marktbeobachter erwarten einen nochmals verschärften Verdrängungswettbewerb, bei dem besonders mittelgroße Brauereien auf der Strecke bleiben werden. Im vergangenen Jahr waren noch 1 270 Brauereien in Deutschland tätig, in gesamten westeuropäischen Raum waren es 1 693 Brauereien.

Diebels-Chef Paul Bösken-Diebels spricht zwar von einer "Position der Stärke", aus der heraus die größte deutsche Spezialbierbrauerei verkauft werde. Er verweist aber auch darauf, dass sich die "Spielregeln am Markt verändern". "Vieles spricht dafür, dass sich große Gruppen bilden, die das gesamte Sortiment abdecken. In einer Stand-alone-Position als Altbierbrauer würden wir auf Dauer möglicherweise Probleme bekommen", sagte Bösken-Diebels dem Handelsblatt.

In einem schrumpfenden Biermarkt könne auch ein Spezialmarke von nur 1 Mill. Hektoliter "sinnvoll vermarktet werden". Allerdings werde es schwer, wenn man dabei den "ganzen Apparat" einer Brauerei unterhalten müsse. Es werde immer mühsamer, die notwendigen Investitionen für den Markt aufzubringen. Er wolle sich in drei Jahren nicht vorhalten lassen, dass er im Jahr 2001 keinen starken Partner gesucht habe.

Der Altbiermarkt schrumpft seit rund 15 Jahren. Das dunkle obergärige Alt wird vor allem im Rheinland produziert und getrunken. An der Bierproduktion in Nordrhein-Westfalen hatte es im Jahr 2000 einen Anteil von knapp 10 %. Mitte der 80er Jahre lag er noch bei über 16 %. Dem negativen Trend konnte sich auch Diebels trotz starker Stellung (Anteil im Handel knapp 70 %) nicht entziehen. Seit 1995 ist der Ausstoß der Eigenmarken von 1,68 Mill. auf 1,47 Mill. hl gefallen. Dank eines neuen Biermixgetränkes stieg der Ausstoß in den ersten sieben Monaten um 2 %.

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