Belgrad wendet sich an UN
Zusammenstöße in Kosovo-Stadt Mitrovica

Bei Zusammenstößen zwischen Serben und Soldaten der Friedenstruppe KFOR sind am Donnerstag in der Stadt Kosovska Mitrovica vier Menschen verletzt worden. Darunter sei ein Soldat, der von einem Stein am Kopf getroffen wurde, sagte ein KFOR- Sprecher in Pristina.

dpa PRISTINA/BELGRAD. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen in dem überwiegend von Serben bewohnten Norden - im Südteil der geteilten Stadt leben Albaner - hätten etwa zwei Stunden gedauert. Soldaten rückten nach KFOR-Angaben ein, nachdem aufgebrachte Serben in ein von Albanern bewohntes Viertel eingedrungen seien. Sie seien von etwa 100 Serben angegriffen worden. Nach Berichten aus der Stadt standen drei Häuser in Flammen, darunter die Wohnung einer Albanerin, die in Sicherheit gebracht wurde. Die Proteste der Serben hatten sich zunächst gegen die Einführung von Zollkontrollpunkten der UN-Kosovo-Verwaltung (UNMIK) an der Verwaltungsgrenze zu Südserbien gerichtet. Serbische Demonstranten haben seit mehreren Tagen Straßenblockaden errichtet. Die KFOR war am Morgen gegen mehrere Straßensperren vorgegangen. Wegen eines Terroranschlages in Pristina am Mittwoch beantragte die jugoslawische Regierung am Donnerstag eine Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrates. Die Vereinten Nationen müssten von der UNMIK und der KFOR verlangen, die Verantwortlichen zu finden und zu bestrafen. Beim Anschlag am Mittwoch starb ein serbischer Angestellter der Vertretung Jugoslawiens in der Kosovo-Hauptstadt, vier weitere wurden verletzt. Der jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica verlangte ebenfalls am Donnerstag von UN-Generalsekretär Kofi Annan die energische Bekämpfung des Terrorismus gegen Nicht- Albaner im Kosovo. Die OSZE-Mission in Pristina veröffentlichte am Donnerstag eine neue Untersuchung über das Justizwesen im Kosovo, nach der systematische Probleme die Strafverfolgung weiter behindern. Experten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa hatten der dortigen Justiz in einem ersten Bericht Einseitigkeit in Verfahren gegen Kosovo-Serben vorgeworfen. Die jugoslawische Armee bestätigte am Donnerstag erstmals, dass ihre Soldaten im Kosovo Kriegsverbrechen verübt haben. "Einige Armeeangehörige" hätten während der NATO-Luftangriffe im Frühjahr 1999 Kriegsverbrechen begangen. Gegen die Verantwortlichen seien bereits Prozesse eingeleitet worden, sagte Armeesprecher Svetozar Radisic in Belgrad. Militärgerichte ermittelten in insgesamt 24 Fällen.

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