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Beliebtes Cafè wird zum Ort des Schreckens

Nur 100 Meter entfernt von der Residenz des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon: Der 20-jährige Palästinenser hatte sich sich unter die zahlreichen Teenager gemischt, die im Cafe "Moment" in dem ruhigen Jerusalemer Wohnviertel auf einen Tisch warteten. Dann zündete Fuad Hurani den Sprengsatz an seinem Körper. Die Bombe zerriss ihn und elf weitere Menschen.

rtr JERUSALEM. Als sich der Rauch verzog, war der Boden mit den Blut und Leichenteilen bedeckt und Hunderten von Nägeln und Schrauben, mit denen Hurani seine Bombe bestückt hatte. Einer Cafe-Besucher rief nur Sekunden nach der Explosion bei einem israelischen Fernsehsender an und berichtete, begleitet vom Schreien und den Hilferufen der Verletzten: "Da ist einer reingekommen und hat sich in die Luft gesprengt. Überall hier liegen Teile von ihm. Das ist das Grauenvollste, was ich je gesehen habe!"

Mehr als 50 Menschen wurden in Kliniken gebracht, viele von ihnen mit Verletzungen, die ihnen von den Metallteilen zugefügt worden waren.

"Da saßen welche auf ihren Stühlen, leblos. Andere lagen auf dem Boden", sagte Schlomi Jonatan, der in einer benachbarten Pizzeria zu Abend aß, als die Explosion das Cafe erschütterte. Er rannte nach nebenan und stand vor einem Bild, das ihn, wie er sagte, den Rest seines Lebens verfolgen werde: "Die Leiche am Eingang des Cafes muss die des Attentäters gewesen sein - es war ein Kind!", sagte Jonatan. "Sein ganzer Körper war zerfetzt. Ich konnte nur noch seinen Kopf erkennen."

Zu dem Attentat bekannte sich die radikale Gruppe Hamas, wie zu vielen Selbstmordanschlägen zuvor, mit denen sie seit dem Grundlagenvertrag von 1993 die Aussöhnung der Palästinenser mit Israel verhindern will. Hamas ist gegen jede Einigung mit Israel und anerkennt dessen Existenz nicht. Seit die Palästinenser vor bald eineinhalb Jahren einen neuen Aufstand gegen die israelische Besetzung ihrer Gebiete begonnen haben, hat die Zahl der Selbstmordattentate zugenommen. Sie richteten sich gegen die israelische Zivilbevölkerung und trafen sie in Bussen, Restaurants, auf belebten Straßenkreuzungen.

Wie viele andere Besucher des Cafes hatte die 17-jährige Esther Brightburg gedacht, kein Selbstmordattentäter werde sich ausgerechnet einen Treffpunkt in einem ruhigen Wohnviertel für seine Tat aussuchen. Nun aber vermutet sie, dass die Attentäter inzwischen dorthin ausweichen, wo sich Menschen noch in größerer Zahl zusammen finden. Das Zentrum Jerusalems mit seinen zahlreichen Restaurants und Cafes ist nach mehreren Anschlägen inzwischen auch an Samstagabenden verwaist und leer.

Der Anschlag an diesem Abend war allerdings nicht der erste Versuch eines Attentäters, in bisher verschonte Viertel vorzudringen: Zwei Tage zuvor hatte ein Kellner einen Mann überwältigt, der seine Bombe offenbar in einer populären Einkaufsstraße zünden wollte. Auch in dieser Ecke Jerusalems hatte es bislang keine Anschläge gegeben.

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