Belletristik
Ankommen in der Fremde

Die Perspektive der Einwanderer fasziniert die Leser moderner Romane

Der Arzt wäre teuer gewesen, und so wurde das schwache, zu früh geborene Mädchen "dem Schicksal überlassen". So erzählt es später das ganze bengalische Dorf dem Mädchen Nazneen, das wider Erwarten die Kraft fand zu überleben. Das Schicksal meint es nicht besonders gut mit der Heldin in Monica Alis "Brick Lane". Mit 18 wird sie an den 40-jährigen Chanu verheiratet, der fett ist und hässlich und sie mitnimmt nach London, in die Brick Lane, eine Straße mitten im Ghetto der Bengalen und Pakistani. Es wird Jahre dauern, bis Nazneen sich zurechtfindet außerhalb der engen Wohnung, außerhalb des Viertels und das andere London der Engländer entdeckt: Bei denen sind die Armen dick, und jeder kann tun, was er will, stellt sie staunend fest.

Ankommen in der Fremde. Menschen, die sich plötzlich in unbekannter Umgebung wiederfinden, die nicht dazu gehören, aber sich nichts sehnlicher wünschen als ihren Platz, sind das Thema zahlreicher neuer Romane. Sie stammen häufig von englischen Autoren, deren Eltern einst einwanderten, und sie finden in Deutschland ein großes Publikum. Wie in "Brick Lane" ist es auch in Hari Kunzrus "Der Impressionist" die Perspektive des Ankömmlings, die den Leser fasziniert.

Fremd zu sein ist keineswegs allein das Schicksal dunkelhäutiger Einwanderer nach Europa, wie Henning Mankell zeigt. "Im Auge des Leoparden" bringt der schwedische Krimiautor seinen Helden Hans Olofson in eine ähnliche Situation wie Ali ihre Nazneen und Kunzru seinen Helden Pran Nath: Olofson muss in Afrika unter Schwarzen ebenfalls seine Identität neu finden.

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