Benchmark-Status für zehnjährige Bundesbonds nicht gefährdet
Spanische Anleihen schlagen Bundesanleihen

Bundesanleihen sind bei Investoren nicht mehr die erste Wahl. Andere Staatsanleihen der Euro-Zone haben sich aber besser entwickelt als die Anleihen des Bundes. Besonders gefragt waren dabei spanische Staatsanleihen.

FRANKFURT/M. Bundesanleihen sind bei Investoren nicht mehr die erste Wahl. Die Bundespapiere haben zwar in den vergangenen Jahren - wie alle Staatsanleihen der Industrienationen - von ihrem Status als sicherer Anlagehafen profitiert. Folglich sind die Kurse der Anleihen gestiegen und ihre Renditen gesunken. Andere Staatsanleihen der Euro-Zone haben sich aber besser entwickelt als die Anleihen des Bundes.

Besonders gefragt waren dabei spanische Staatsanleihen. Ihre Rendite liegt nur noch knapp über denen von Bundespapieren mit zehnjähriger Laufzeit (siehe Grafik). Das ist erstaunlich, weil die Ratingagenturen Standard & Poor?s (S&P) und Fitch Spanien nur mit der zweitbesten Bonitätsnote AA+ und damit eine Stufe schlechter als die Bundesrepublik einstufen. Nur bei Moody?s hat Spanien wie der Bund das Spitzenrating Dreifach-A.

Die gute Entwicklung der spanischen Anleihen erklärt José Sarafana, Rentenanalyst bei der West LB, mit der guten Haushaltssituation Spaniens. Mit einem Budgetdefizit von 0,6 % sei der Haushalt nahezu ausgeglichen. 1995 lag das spanische Budgetdefizit noch bei 6,7 %. Deutschland wird dagegen Volkswirten zufolge auch dieses Jahr die im Vertrag von Maastricht festgelegte Defizitobergrenze von 3 % des Bruttoinlandsprodukts überschreiten.

Auch beim Wirtschaftswachstum haben die Iberer die Nase vorn. Konsensschätzungen gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nur um 0,5 % wachsen wird. In Spanien dagegen wird ein Wirtschaftswachstum von über 2 % erwartet. Dies könne sich im nächsten Jahr auch positiv auf die Bonitätsnote Spaniens auswirken, meint Sarafana. Während die Bundesrepublik in diesem Jahr zudem voraussichtlich netto mehr Anleihen begeben wird als zunächst erwartet, plant Spanien für dieses Jahr Bondrückkäufe über 6 Mrd. Euro.

Jetzt noch in spanische Staatsanleihen einzusteigen, halten Anleiheanalysten allerdings für zu spät. "Das Ende der Fahnenstange dürfte erreicht sein", sagt Ralf Welge, Leiter der Zinsstrategie bei Commerzbank Securities. In den vergangenen Tagen sei es bereits zu leichten Abgaben gekommen und mit zunehmender Konjunkturzuversicht sollten auch die Renditen spanischer Bonds wieder steigen. Dann könnte sich auch der Renditeabstand von spanischen Staatsbonds zu Bundesanleihen wieder ausweiten.

Die Zeiten, in denen der Bund deutlich niedrigere Renditen für seine Anleihen als die anderen Staaten der Euro-Zone zahlen musste, dürften aber vorbei sein. Auch französische, belgische, österreichische und portugiesische zehnjährige Anleihen bieten nur noch wenig mehr Rendite als Bundesbonds. "Im Wettbewerb in Euroland dürfte es langfristig zu einer Nivellierung der Unterschiede in der Schuldnerqualität kommen, wenn alle Mitglieder die Maastricht-Kriterien konsequent einhalten", räumt auch der Chef der Finanzagentur des Bundes, Gerhard Schleif, im aktuellen Newsletter der Agentur ein. Die Finanzagentur ist für den Kapitalmarktauftritt des Bundes verantwortlich. Johannes Rudolph, Rentenanalyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, meint sogar, dass schon heute "im Prinzip alle Länder der Euro-Zone so gehandelt werden als hätten sie ein Dreifach-A-Rating."

Zu Gute kommt den Bundesanleihen aber nach wie vor, dass sie die liquidesten Anleihen in Euroland sind und sich zudem für Laufzeiten mit zwei, fünf und zehn Jahren über Terminkontrakte absichern lassen. Deshalb gelten sie - vor allem im zehnjährigen Bereich - nach wie vor als richtungweisende Benchmark-Anleihen der Euro-Zone. Diesen Status würden sie verlieren, wenn die Ratingagenturen das Rating der Bundesrepublik herabstufen. Davon gehen Experten aber trotz der jüngsten mahnenden Worte von S&P und Fitch nicht aus.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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