Benteler interessiert sich für die Tochter SFG
Bei Sachsenring steigen die Verluste

Das Geschäft der Sachsenring AG hat sich weiter verschlechtert. Das Unternehmen, das voraussichtlich Ende der Woche für seine Holding und die Tochter Sachsenring Fahrzeugtechnik AG (SFG) Insolvenz anmelden wird, brachte es im zweiten Quartal 2002 nur noch auf einen Umsatz von 117,5 Mill. Euro.

va HB BERLIN. Im Vorjahreszeitraum waren es 140,9 Mill. Euro. Der Verlust vor Steuern und Zinsen betrug 9,1 Mill. Euro nach einem Gewinn im Vergleichszeitraum von 0,9 Mill. Euro.

Der einstige Hersteller des legendären Trabant stellt seit der Umstrukturierung eine breite Palette an Produkten für die Autoindustrie wie Panzerfahrzeuge und Pkw-Blechteile her. Verantwortlich für Umsatz- und Gewinnrückgang waren nach Unternehmensangaben im Wesentlichen die Tochter Sachsenring Fahrzeugtechnik GmbH (SFG) und die NAW Nutzfahrzeuge AG. NAW montiert in der Hauptsache Lastkraftwagen für den Daimler-Chrysler-Konzern, der ebenfalls an NAW beteiligt ist. Ein Dauer-Sorgenkind von Sachsenring bleibt zudem der Bremer Hersteller von Panzerfahrzeugen Sachsenring Fahrzeugbau GmbH (Trasco).

Wie berichtet, sucht der vorläufige Insolvenzverwalter des Konzerns, Bruno Kübler, Käufer für Sachsenring. Das Unternehmen war im Mai nach Managementfehlern in eine finanzielle Schieflage geraten. Ein ernsthafter Kandidat hat sich bisher nur für Trasco gemeldet: Im Quartalsbericht heißt es, der US-Konzern Armor Holdings habe eine Absichtserklärung abgegeben. Ziel sei es, Trasco im September dieses Jahres zu übernehmen.

Entscheidend ist jetzt, wer das Herzstück des Konzerns, die SFG, übernehmen wird. Für SFG interessieren sich dem Management zufolge mehrere Unternehmen. "In der letzten Augustwoche wird der erste Interessent mit der Due-Diligence-Prüfung beginnen", heißt es in dem Bericht. Kübler, der sich über die Offenheit des Managements überrascht zeigte, wollte das gestern nicht weiter kommentieren.

Ernsthafte Übernahmeabsichten für SFG wurden zuletzt Thyssen-Krupp-Automotive (TKA) nachgesagt. "Wir reden mit dem Insolvenzverwalter und informieren uns laufend über die Situation", sagte ein TKA-Sprecher dem Handelsblatt. Ob TKA in die genaue Prüfung einsteige, sei noch nicht entschieden. Auch der mittelständische Automobilzulieferer Benteler AG bekundet Interesse: "Wir befinden uns in der Phase des Prüfens", hieß es gegenüber dem Handelsblatt.

Dagegen bekräftigten der kanadische Autozulieferer Magna International Group und die Friedrichshafener ZF, nicht an einer Übernahme der gesamten SFG interessiert zu sein. "Wir geben kein Angebot für SFG ab", sagte ein ZF-Sprecher. Magna bleibt dabei, sich lediglich für Teile zu interessieren: "Wir könnten uns nur die Bereiche Modultechnik und Achsen vorstellen", sagte ein Magna-Sprecher dem Handelsblatt. Um Arbeitsplätze zu erhalten, versucht Insolvenzverwalter Kübler, die Unternehmensteile als Einheit zu erhalten.

Laut Quartalsbericht sind Insolvenzverwalter und Management "zuversichtlich", dass die SFG bis zum "Jahresende an einen neuen Eigentümer überführt werden kann". Die Zeit drängt, haben doch die wichtigsten SFG-Kunden signalisiert, auch künftig mit Sachsenring zusammenzuarbeiten, "sofern in einem absehbaren Zeitraum ein starker Partner gefunden wird", heißt es in dem Bericht.

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