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Benzinpipeline angezapft: 105 Tote

Bei der Explosion einer illegal angezapften Benzinpipeline im Südosten Nigerias sind mindestens 105 Menschen ums Leben gekommen. Bei den Toten handelt es sich größtenteils um Dorfbewohner, die Treibstoff abzapfen wollten.

dpa LAGOS. Ein Sprecher des Roten Kreuzes schloss am Sonntag weitere Opfer des Unglücks nicht aus, das sich bereits am Donnerstag im Dorf Ishikimato im Staat Abia zugetragen hatte. "Ganze Familien starben", sagte Emmanuel Ijewere. "Wir fürchten, dass es weitere Tote gibt, da zahlreiche Patienten mit schwersten Verbrennungen im Krankenhaus der Hauptstadt von Abia, Umuahia, liegen."

Der tödliche Feuerball wurde nach Augenzeugenberichten vom Funken eines vorbeifahrenden Motorrads ausgelöst, als die Dorfbewohner dabei waren, die defekte Leitung anzuzapfen. Die Pipeline befördert Treibstoff aus einer staatlichen Raffinerie in der Ölstadt Port Harcourt in die 230 Kilometer nördlicher gelegene Stadt Engu. Dorfälteste gaben an, Schmuggler hätten die Leitung vor sechs Wochen angebohrt, um Treibstoff abzuzapfen.

Obwohl die Ältesten den Defekt den lokalen Behörden gemeldet hätten, sei das Leck nicht abgedichtet worden. Die Polizei habe auch nicht eingegriffen, als die Dorfbewohner die undichte Stelle anzapften. Zum Zeitpunkt der Explosion sei die Leitung von einer großen Menschenmenge umstellt gewesen. Erst drei Tage später, als die ersten Schwerverletzten die 50 Kilometer entfernte Stadt Umuahia erreichten, sei das Unglück bekannt geworden.

Das Anzapfen von Benzinleitungen ist in dem westafrikanischen Ölstaat keine Seltenheit. Obwohl dort täglich rund 2,2 Mill. Barrel (1 Barrel sind 159 Liter) Rohöl gefördert werden, mit denen Nigeria 97% seiner Devisen verdient, herrscht im eigenen Land Benzinknappheit. Außerdem ist für viele Nigerianer der eigene Kraftsoff zu teuer. Erst am Freitag war der Spritpreis im Land nach BBC-Angaben um fast 54% in die Höhe geschnellt.

Deshalb bohren die Dorfbewohner entlang der Pipelines die Leitungen an, um sich mit Treibstoff zu versorgen oder ihn auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Immer wieder ereignen sich dabei Unglücke. Vor fünf Jahren starben rund 1 000 Menschen bei der Explosion einer Pipeline in der Stadt Jesse im Nigerdelta.

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