Benzinpreise auf Entwicklungsländerniveau und Missmanagement
Die Energiekrise in den USA ist hausgemacht

dpa WASHINGTON. Als Grund für die Ablehnung des Klimaschutz-Protokolls von Kyoto führt die US-Regierung vor allem an, dass es eine Energiekrise im eigenen Land gäbe. Engpässe in der Versorgung sind jedoch regional unterschiedlich. Sie sind auch überwiegend die Folge von Verschwendung und Missmanagement statt einem Mangel an Ressourcen. Im besonders betroffenen Kalifornien haben politische Fehlentscheidungen eine Kettenreaktion in Gang gesetzt.

In den USA kostet ein Liter Benzin immer noch weniger als eine Mark. Der Preis liegt damit unter dem in einigen Entwicklungsländern. Energiesparen ist im Bewusstsein der meisten Amerikaner nicht verankert. Die jüngsten Strom-Abschaltungen in Kalifornien waren nötig, weil die Bewohner bei den ersten sommerlichen Temperaturen ihre Klima-Anlagen eingeschaltet hatten. Die meisten Häuser im Land sind schlecht isoliert.

In Kalifornien explodierten die Preise nach der Liberalisierung des örtlichen Strom-Marktes. Die Versorger dürfen die Kosten dort per Gesetz nicht voll an die Verbraucher weiter geben. Dadurch rutschten sie in den Bankrott, und die Erzeuger wollten ihnen keinen Strom mehr verkaufen. Hinzu kommt, dass viele Produzenten die Situation ausnutzten und Strom bewusst zurückhielten, um die Preise weiter in die Höhe zu treiben. Sie haben von der Krise bisher mit immensen Gewinnen profitiert. Kleinere umweltfreundliche Energie-Erzeuger litten dagegen darunter. Ihre Rechnungen wurden nicht bezahlt und sie mussten vorübergehend schließen. Alte Kraftwerke sind zudem reparaturanfällig und gehen häufig vom Netz. In anderen Staaten, wie in Texas, wurde die Liberalisierung besser organisiert.

Als Gegenmaßnahmen gegen Versorgungsengpässe möchte US-Präsident George W. Bush mehr Öl fördern und mehr Kraftwerke bauen lassen. Mehr Öl- und Kohlekraftwerke würden den CO2-Ausstoß in den USA erhöhen, die schon heute für ein Viertel des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich sind. Eine weitere Lösung sieht Washington im Bau neuer Kernkraftwerke. Dadurch würde der CO2-Ausstoß begrenzt, was dem Abkommen von Kyoto entgegen komme. Der Plan, auf Grund der Krise auch in Naturschutz-Gebieten wie Alaska nach Öl bohren zu lassen, ist bei Umweltschützern auf erbitterte Kritik gestoßen.

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