Beobachter rechnen mit Abschied
Druck auf Starbankerin der WestLB steigt

Die Luft für Robin Saunders in der West LB wird dünner. Wie das Institut gestern mitteilte, ziehe es sich von der geplanten Übernahme des Wasserversorgers AWG zurück. Sie werde das von Saunders gegründete Investitionsvehikel Bream finanziell nicht unterstützen. Zwar nannte die Bank als Grund "fehlende Informationen des Unternehmens, die einen höheren als den gebotenen Preis von 510 bis 545 p rechtfertigen würden". Beobachter sehen die Begründung jedoch mit Skepsis.

DÜSSELDORF/LONDON. "Die West LB kennt die Informationslage seit Monaten und hat den Deal immer weiter verfolgt. Warum zieht sie ihn ausgerechnet jetzt zurück?", hieß es im Umfeld der West LB. Einige werten den kompletten Rückzug der Bank als Niederlage für Saunders, die Leiterin des Bereichs Principal Finance in London. "Es würde mich wundern, wenn Saunders noch lange bei der Bank bleibt", sagte ein konkurrierender Banker.

Wie das Handelsblatt zudem erfuhr, zieht sich ihr Bereich Principal Finance derzeit systematisch aus geplanten Deals zurück. So habe das Institut eine lange verfolgte Transaktion in Nordeuropa in den vergangenen Tagen abrupt abgebrochen, hieß es im Umfeld der Bank. Offenbar geht es längst um Saunders Arbeitsplatz. Vor nicht allzu langer Zeit hatte die Amerikanerin noch mit markigen Worten angekündigt, auf jeden Fall AWG kaufen zu wollen. Im Falle einer Weigerung des Vorstands zog sie sogar eine feindliche Übernahme in Erwägung. Später blieb jedoch ein konkretes Angebot so lange aus, dass die Wettbewerbsbehörde der West LB eine letzte Frist bis zum 18. Juni setzte. Beobachter hatten den Deal wegen wettbewerbsrechtlicher Schwierigkeiten schon im Vorfeld angezweifelt.

Die West LB besitzt bereits den Wasserversorger Mid Kent. Auch der von Saunders gebotene Preis wurde von Analysten als zu niedrig angesehen, realistischer sei eine Bewertung um 600 p. Seit den Problemen mit dem britischen TV- Leasing-Geschäft Boxclever, dessen Finanzierung der West LB Abschreibungen von mehr als 430 Mill. Euro und eine Sonderuntersuchung der deutschen Finanzaufsicht Bafin einbrachte, gilt Saunders in der Bank als angeschlagen. Die West LB vermied gestern eindeutige Aussagen über ihre Zukunft. "Wir warten auf das Ergebnis der Bafin-Sonderprüfung, bevor wir eine Entscheidung fällen." Diese steht noch aus.

Die Aufseher haben die Aktivitäten von Saunders auch wegen eventueller Interessenkollissionen im Visier. Die Londoner Investmentbankerin hat ebenso wie einige ihrer Bankkollegen Beteiligungen an Unternehmen, welchen die WestLB auch Kredite gegeben hat.

Letztlich werde der Prüfbericht der Bafin ausschlaggebend für die Konsequenzen des WestLB-Aufsichtsrates sein, hieß es in Unternehmenskreisen. Spätestens nach dessen Fertigstellung werde Saunders aber wohl gehen müssen. Offen sei noch, ob dann auch einzelne Vorstände oder gar WestLB-Chef Sengera Konsequenzen ziehen müssen.

Sengera kündigte eine Reduzierung der Aktivitäten in Asien und Lateinamerika an. Eine entsprechende Meldung der "Wirtschaftswoche" bestätigte ein Banksprecher. Der Schritt sei ein Baustein des modifzierten Geschäftsmodells; dieses will der West LB-Vorstandschef in der Aufsichtsratssitzung im September präsentieren. Das Institut unterhält in Asien und Lateinamerika unter anderem Niederlassungen in Shanghai, Singapur, Hongkong und eine Tochtergesellschaft in Brasilien. In 2002 erzielte die Bank dort laut Geschäftsbericht Bruttoerträge von rund 1,5 Mrd. Euro; die betrugen weltweit rund 23 Mrd. Euro.

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