Beobachter schätzen Nordkoreas Schritte als "kühl kalkuliert" ein
Treffen von Nord- und Südkorea

Nord- und Südkorea haben angekündigt, sie wollten bei den am Montag in Seoul beginnenden dreitägigen Gesprächen konkrete Ergebnisse erzielen.

Reuters SEOUL. Bei dem Treffen auf Ministerebene sollen vereinbarte aber nicht durchgesetzte gemeinsame Projekte besprochen werden, die zur Aussöhnung der beiden Koreas führen sollen. Beide Länder könnten an Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn sie handelten, sagte Vereinigungsminister Jeong Se Hyun, Chef der südkoreanischen Delegation vor Beginn der Gespräche. International, darunter auch die USA und Europa, werde beobachtet, welche Ergebnisse aus dem Treffen hervorgingen. Andere Staaten würden nach diesen Gesprächen über ihre Korea-Politk entscheiden. Korea ist seit dem Ende des Korea-Krieges 1953 geteilt. Für Mittwoch wurde eine gemeinsame Erklärung der beiden Koreas erwartet.

"Versprechen wurden gemacht, aber nicht verwirklicht", sagte Se Hyun. "Unsere Repräsentanten, darunter auch ich, kommen mit schweren Herzen hier her", sagte er weiter zu Kim Ryung Sung, dem Delegationschef Nordkoreas.

"Laßt uns Herz und Verstand zusammenlegen und erfolgreiche Gespräche führen, die die Ergebnisse bringen, auf die die gesamte Nation hofft", sagte Ryung Sung zu Journalisten. Offiziellen Angaben zufolge aßen die Delegationen getrennt im Seoul Hotel zu Mittag. Nach der ersten Gesprächsrunde sollte es ein gemeinsames Abendessen geben.

In einer vor Beginn der Gespräche veröffentlichten Erklärung Nordkoreas hieß es, Nordkorea hoffe, dass die neue Phase der Gespräche den Weg ebnen werde, um die Vereinbarungen vom 15. Juni 2000 zu verwirklichen.

Im Juni 2000 hatten sich Südkoreas Präsident Kim Dae Jung und dessen nordkoreanischer Kollege Kim Jong Il auf mehrere Projekte verständigt. Außer regelmäßigen Treffen war bei dem Gipfel und später vereinbart worden, je eine der unterbrochenen Eisenbahn- und Straßenverbindungen wieder herzustellen. Zudem will Südkorea ein Industriegebiet in Kaesong in Nordkorea bauen.

Südkoreanische Medien berichteten, Südkorea wolle vor allem die Herstellung der Eisenbahn- und Straßenverbindungen vorantreiben sowie weitere Familientreffen festlegen. Allein in Südkorea leben noch über eine Million Menschen, die seit dem Krieg ohne Nachricht von ihren Verwandten im Norden sind.

Zuletzt hatte es im November Gespräche gegeben. Ein neues Treffen war im April ohne Vorwarnung von dem kommunistischen Nordkorea abgesagt worden. Vergangene Woche hatten sich die beiden Koreas auf einer Konferenz in Nordkorea auf das Treffen verständigt.

Im Juni hatte sich das Verhältnis zwischen den beiden koreanischen Staaten verschlechtert, nachdem bei einem Angriff auf ein südkoreanisches Kriegsschiff im Gelben Meer insgesamt 18 süd- und nordkoreanische Matrosen getötet wurden. Nordkorea drückte später sein Bedauern über den Vorfall aus und schlug gleichzeitig vor, die Gespräche wieder aufzunehmen. Während Südkorea mit seiner Marktwirtschaft zu den aufstrebenden Volkswirtschaften zählt, leiden die Nordkoreaner unter der Misswirtschaft ihrer Regierung, deren Folgen durch Überschwemmungen und Düren verschärft wurden.

Politikexperten zufolge könnten die Schritte Nordkoreas kühl kalkuliert sein, weil es seine Beziehungen zu Japan und den USA sowie zu Südkorea verbessern wolle. Nur so könne das Land auf internationale Finanzhilfen zur Stärkung seiner Wirtschaft hoffen.

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