Beobachter sehen gute Chancen
Irans Reform-Präsident Chatami kandidiert erneut

rtr TEHERAN. Der als Reformer 1997 überraschend gewählte iranische Präsident Mohammad Chatami bewirbt sich um eine zweite Amtszeit. Chatami ließ sich am Freitag, zwei Tage vor Ablauf der Frist, für die Wahl im Juni registrieren und sagte anschließend, der Wunsch des Volkes habe Vorrang. Er habe auch darüber nachgedacht, etwas anderes zu machen. "Persönlich wäre ich lieber irgendwo anders", sagte der von den konservativen Klerikern bekämpfte Präsident unter Tränen und wischte sie sich mit einem Taschentuch aus den Augen. Die Wahlen finden am 8. Juni statt. Bisher haben sich bereits 134 Personen als Kandidaten eintragen lassen.

Lange hatte der als moderat geltende Politiker offen gelassen, ob er für eine zweite Amtsperiode zur Verfügung steht. "Ich habe darüber nachgedacht, ob ich dem Land und dem Volk erneut als Präsident dienen könnte oder eine andere Arbeit machen sollte", sagte Chatami und fügte hinzu: "Die Wahl wird zeigen, ob das Volk mich will oder nicht und ob der Wunsch des Volkes endgültig ist."

Chatami als Staatschef verfügt im System der Islamischen Revolution nur über begrenzte Macht. Das Sagen haben letztlich die von Klerikern dominierten zwölf Mitglieder des Wächterrats. Dieser kann Gesetze mit seinem Veto belegen und sorgt im Iran für die strikte Einhaltung der strengen islamischen Grundsätze im öffentlichen Leben und in der Politik. Gegenspieler Chatamis während der letzten Jahre war vor allem die erzkonservative Justiz, die Reformer verhaften ließ, sie verurteilte und liberale Zeitungen verbot.

Als zahlreiche von der Reform-Regierung unter Chatami eingebrachte Gesetze zur allmählichen Modernisierung des Landes vom Wächterrat durch Veto zu Fall gebracht worden waren, hatte Chatami wiederholt erklärt, er bedauere, dass das Amt des Präsidenten zu wenig Handlungsspielraum für politische Entscheidungen biete. Der Wächterrat hat zudem bis zum 18. Mai Zeit, Kandidaten für die Präsidentenwahl zurückzuweisen. Der Wahlkampf dauert vom 19. Mai bis 7. Juni.

Beobachter sehen gute Chancen für Chatami. Vor allem unter den Studenten und 20- bis 30-Jährigen hat er über 20 Jahre nach der Islamisierung des Landes Anhänger, die für demokratische Reformen nach westlichen Vorbild eintreten und die Allmacht der Kleriker begrenzen wollen. Allerdings wurde zugleich bezweifelt, ob Chatami noch einmal 70 % der Stimmen wie vor vier Jahren erhalten werde.

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