Beobachter zweifeln an der Wahl des "heute journal"-Manns
Helmut Reitze: Zielstrebig und machtbewusst

Helmut Reitze will bei der ZDF-Intendantenwahl am Donnerstag nicht so schnell klein beigeben. Er wolle nicht nur im ersten, sondern auch in den wahrscheinlich erforderlichen weiteren Wahlgängen antreten, kündigte er an.

dpa MAINZ. Der 49-Jährige gilt als ehrgeizig. Er lasse sich nicht die Butter vom Brot nehmen, heißt es intern im ZDF. Dass Reitze Nachfolger von Dieter Stolte wird, bezweifeln dennoch viele. Der als konservativ eingeschätzte stellvertretende Chefredakteur, der das "heute-journal" stets mit Fliege präsentiert, lasse sich dem SPD-nahen "roten" Freundeskreis im 77-köpfigen Fernsehrat nicht vermitteln, heißt es im Haus.

Sollte Reitze entgegen den Erwartungen das Rennen machen, würden viele ZDF-Mitarbeiter "die Hände über dem Kopf zusammenschlagen", ist am Mainzer Lerchenberg zu hören. Die Urteile über den früheren ZDF - Korrespondenten in Washington und Brüssel reichen von "forscher Typ" bis "extrem harter Hund" und "überheblich" im Umgang mit Mitarbeitern. Gleichwohl wird ihm bescheinigt, dass er das Zeug zum Intendanten habe: Reitze sei ein Machtmensch und hervorragender Medienmanager mit ausgeprägtem journalistischen Gespür, heißt es.

Der gebürtige Hesse hat in seiner Karriere schon mehrmals die Fronten gewechselt. Nach einigen Jahren bei der "Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen", Volkswirtschafts-Studium und Promotion arbeitete Reitze beim Hessischen und Bayerischen Rundfunk, ehe er 1985 als Redakteur und Moderator beim "heute-journal" anheuerte. Von 1987 bis 1990 war er für das ZDF in Washington, 1992/93 in Brüssel. In der Zwischenzeit war Reitze als Geschäftsführer der Fernsehproduktions-Firma AVE in München unter anderem für mehrere SAT.1-Produktionen verantwortlich.

Nach einem kurzen Engagement als Zweiter Chefredakteur in der "Tagesschau"-Redaktion bei "ARD aktuell" ist er seit März 1995 wieder beim ZDF. Seit Juni 1997 leitet er die Hauptredaktion "Aktuelles". Selbst, wenn Reitze nicht Stolte beerbt, hat er Aussichten auf einen weiteren Karrieresprung: Er gilt als Wunschkandidat von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) für die Nachfolge von Klaus Berg, der als Intendant des Hessischen Rundfunks (hr) im April 2003 in Pension geht.

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